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Wissenschaftler fordern von Bundesregierung Widerstand gegen Neuzulassung von Glyphosat

Zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebotes wird ein Pestizid im deutschen Bier gefunden

Donnerstag, 25 Februar 2016 22:22
Zum 500. Jubiläum des Reinheitsgebotes wird ein Pestizid im deutschen Bier gefunden Bild: PIXABAY.COM

München - Nach Angaben des Umweltinstituts München sind viele deutsche Biere mit dem Pestizid Glyphosat belastet. Eine jetzt veröffentlichte Untersuchung im Auftrag des Umweltinstituts ergab Spuren des Unkrautvernichtungsmittels in Bieren der 14 beliebtesten deutschen Marken. Betroffen sind die Marken Krombacher, Oettinger, Bitburger, Veltins, Beck's, Paulaner, Warsteiner, Hasseröder, Radeberger, Erdinger, Augustiner, Franziskaner, König Pilsener und Jever.

Glyphosat ist hierzulande der meistverwendete Pestizidwirkstoff, der nach Aussagen der Weltgesundheitsorganisation erbgutschädigend und wahrscheinlich krebserregend ist. Die ermittelten Werte lagen zwischen 0,46 Mikrogramm pro Liter und 29,74 Mikrogramm je Liter. Damit liegen sie im extremsten Fall fast 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser (0,1 µg/l).

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht hingegen keine Gesundheitsgefahren. Rückstände von Glyphosat seien erwartbar und normal, da Glyphosat ein zugelassener Pflanzenschutzwirkstoff auch für Hopfen und Getreide sei. Selbst die ermittelten Höchstwerte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien unproblematisch.

Die Negativschlagzeilen kommen für die Bierbrauer zur absoluten Unzeit. Genau 500 Jahre ist nach allgemeiner Auffassung das deutsche Reinheitsgebot für Bier alt. Im April 1516 trat der Bayerische Landständetag in Ingolstadt zusammen und billigte eine von Herzog Wilhelm IV. vorgelegte Vorschrift, wonach zur Bierherstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Dieses Reinheitsgebot wurde für ganz Bayern verbindlich und ist das älteste, noch gültige Lebensmittelgesetz der Welt. In Franken legt man jedoch Wert auf die Feststellung, dass das älteste Reinheitsgebot aus ihrer Region und nicht aus Altbayern stamme. So soll schon 27 Jahre vor dem Erlass des Reinheitsgebotes durch den bayerischen Herzog der Bamberger Fürstbischof Heinrich III. „für Bamberg und das Umland“ eine Reinheitsvorschrift für den Gerstensaft erlassen lassen.

Der Freistaat Bayern wollte sich aus Anlass des 500-jährigen Jubiläums eigentlich als Land des Bieres vermarkten, wie Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) unlängst bei der Vorstellung der Tourismus-Bilanz 2015 mitteilte. Sollte der Pestizid-Skandal längere Zeit die Öffentlichkeit beschäftigen, wird diese bayerische Selbstvermarktungsstrategie wohl abgeblasen.

Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut München sagte dazu: „Alle getesteten Biere enthielten das Pestizid Glyphosat. Damit droht das deutsche Reinheitsgebot ausgerechnet in seinem 500. Jubiläumsjahr zur Farce zu werden. Ein Stoff, der wahrscheinlich krebserregend ist, hat weder im Bier noch in unserem Körper etwas verloren.“ Die Biologin sieht nun die Hersteller in der Pflicht: „Wir appellieren an die Brauereien, ihre Produkte und Zutaten jetzt genau zu überprüfen. Sie müssen klären, wie Glyphosat in das Bier gelangen konnte und in Zukunft sicherstellen, dass ihre Produkte frei von Pestizidrückständen sind.“

Das Umweltinstitut München hat eine Online-Aktion gestartet, mit der sich Verbraucher direkt an die Hersteller der beanstandeten Biere wenden können. Die Wissenschaftler fordern von der Bundesregierung auf EU-Ebene ein Veto gegen die erneute Zulassung von Glyphosat. Die Entscheidung über die Wiederzulassung des Unkrautvernichters, den der US-Konzern Monsanto vertreibt, fällt wahrscheinlich schon im März.

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