bayern-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft

Viertel der bayerischen Firmen erwartet durch Brexit weniger britische Marktkonkurrenz

Vbw-Umfrage: Bayerische Unternehmen rechnen mehrheitlich mit „weichem“ statt „hartem Brexit“

Montag, 02 Januar 2017 18:12

München - Die Unternehmen in Bayern rechnen mehrheitlich mit einem „weichen Brexit“, wie eine Untersuchung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) ergeben hat. Demnach gehen 58 Prozent der befragten Firmen davon aus, dass es weiterhin eine enge wirtschaftliche Bindung des Vereinigten Königreichs an die Europäische Union, etwa durch den weiteren Zugang zum Binnenmarkt oder ein umfassendes Freihandelsabkommen, geben wird. Nur 35 Prozent erwarten einen „harten Brexit“, der die deutsche Exportwirtschaft empfindlich treffen könnte.

Vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt sagte in München: „Da die Unternehmen mehrheitlich von einem ‚weichen Brexit‘ ausgehen, erwarten auch vergleichsweise wenige Firmen negative Auswirkungen auf den eigenen Betrieb. Die Umfrageergebnisse wären sicher anders ausgefallen, wenn mehr Unternehmen einen ‚harten Brexit‘ erwarten würden.“ 

Am ehesten befürchten die bayerischen Unternehmen der Umfrage zufolge geringere Exporte in das Vereinigte Königreich. Als Gründe werden die dortige konjunkturelle Abkühlung und die Abwertung des Pfunds Sterling genannt. Kurzfristig rechnen gut fünf Prozent der Unternehmen in stärkerem Maße mit nachfragebedingt sinkenden Ausfuhren und 25 Prozent erwarten einen weniger starken Einbruch. Acht Prozent gehen von wechselkursbedingten Exporteinbußen in größerem und 23 Prozent von Einbußen in geringerem Maße aus. Ab dem Jahr 2018 steigt die Einschätzung negativer Folgen auf die Ausfuhren entsprechend auf acht und 26 Prozent. 

Die gestiegene Unsicherheit infolge des EU-Austritts Großbritanniens veranlasst insgesamt 24 Prozent der bayerischen Unternehmen, ihre Investitionstätigkeit zurückzufahren. Knapp 17 Prozent rechnen mit Beeinträchtigungen ihrer Geschäftstätigkeit wegen eingeschränkter Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich. 

Ein Viertel der Unternehmen im Freistaat erwartet durch den Brexit aber auch geringere Konkurrenz aus Großbritannien und damit kurzfristig bessere Geschäftschancen. Mittelfristig können sich dies 27,4 Prozent der Firmen vorstellen. 

Vbw-Hauptgeschäftsführer Brossardt betonte, dass Großbritannien mit einem Exportanteil von 8,6 Prozent Bayerns zweitwichtigster Absatzmarkt sei. Der Brexit und seine konkrete Ausgestaltung seien Unsicherheitsfaktoren, die zu Investitionszurückhaltung führten. „Diese Phase der Unsicherheit muss so kurz wie möglich gehalten werden. Die EU und das Vereinigte Königreich müssen ihren künftigen Umgang miteinander schnellstmöglich definieren“, forderte der Wirtschaftsvertreter.

Artikel bewerten
(6 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten