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Energiewende-Monitoring 2016 der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.

Vbw-Präsident Alfred Gaffal erwartet weiteren Strompreisanstieg und fordert „Kostenwende“

Montag, 05 Dezember 2016 20:26

München - Bei der Vorstellung des fünften Energiewende-Monitorings der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. (vbw) kritisierte deren Präsident Alfred Gaffal die ständig steigenden Strompreise infolge der Energiewende. Diese stecke trotz sicherer Stromversorgung gewissermaßen fest, und der Strom werde für den Verbraucher immer teurer. Bei der Energieeffizienz, dem Ausbau der erneuerbaren Energien und bei der Einsparung von CO2-Emissionen verfehlten Bayern und Deutschland ihre selbst gesteckten Ziele, so Gaffal. „Das sind die Folgen einer Energiewende ohne Plan. Wir brauchen endlich ein energiewirtschaftliches Gesamtkonzept.“

In Bayern ging die Bewertung der Versorgungssicherheit im Vergleich zum letzten Monitoring etwas zurück. Grund dafür ist laut Gaffal vor allem die Stilllegung des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld. Beim Leitungsausbau gebe es zwar Fortschritte, er bleibe aber hinter dem sehr schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien zurück und führe zu einem erhöhten Regelungsaufwand. Der vbw-Präsident verdeutlichte: „Die Netzbetreiber müssen immer öfter eingreifen, um das Netz stabil zu halten. 2015 verdoppelten sich die Kosten dafür auf eine Milliarde Euro. Bis 2020 wird ein jährlicher Anstieg auf mehr als vier Milliarden Euro erwartet. Zahlen muss der Stromkunde.“

Seit dem Jahr 2008 sind die Industriestrompreise nach Angaben der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft um ein Viertel gestiegen. Damit nehme Deutschland unter den 28 EU-Staaten einen fragwürdigen Spitzenplatz ein.

Alfred Gaffel rechnete vor: „Rund 55 Prozent des Industriestrompreises machen inzwischen Steuern, Abgaben und Umlagen aus. Hauptpreistreiber ist und bleibt das EEG. In diesem Jahr beläuft sich die EEG-Förderung auf 23 Milliarden Euro, und die Subventionsspirale dreht sich weiter. Bis 2025 wird die Energiewende im Strombereich insgesamt 520 Milliarden Euro kosten, 407 Milliarden Euro davon die EEG-Umlage.“

Um Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Inland zu halten, bräuchteDeutschland „kurzfristig eine Strompreisbremse und mittelfristig eine Kostenwende“. Die Strompreise müssten endlich auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau sinken. „Das geht aber nur mit einem Systemwechsel: Die vollständige Marktintegration der erneuerbaren Energien muss zügig vorangetrieben und das EEG abgeschafft werden“, sagte der Wirtschaftsvertreter.

Der vbw-Präsident wandte sich auch gegen Verschärfungen der deutschen Klimapolitik, wie sie der Klimaschutzplan 2050 vorsieht: „Von 2009 bis 2015 ging die Stromintensität in Deutschland um rund 14 Prozent, in Bayern sogar um 28 zurück. Ihre CO2-Emissionen verringerte die deutsche Industrie von 1990 bis 2014 um 36 Prozent. Damit ist das wirtschaftlich Erreichbare weitgehend ausgeschöpft.“

Das Energiewende-Monitoring soll eine faktenbasierte Zwischenbilanz der Energiewende in Bayern und Deutschland liefern und wird einmal jährlich von der Prognos AG im Auftrag der vbw erstellt.

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