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Bayerische Metall- und Elektro-Industrie steuert auf großen Tarifkonflikt zu

Vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: „Industriestandort Bayern verliert an Bedeutung“

Montag, 25 April 2016 19:36
Vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt: „Industriestandort Bayern verliert an Bedeutung“ Bildquelle: PIXABAY.COM

München - Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (vbm) warnt vor Illusionen zur Stärke des Industriestandortes Bayern. Zwar liefen die Geschäfte gut, und die Arbeitslosigkeit sei niedrig. Vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt mahnte aber zu Vorsicht und erklärte: „Was die Statistiken nicht zeigen, ist, dass der Industriestandort Bayern an Bedeutung verliert.“

Immer mehr Wertschöpfung bayerischer Unternehmen entstehe im Ausland, was zu einer massiven Vermögensverlagerung führe. Jedes zweite bayerische Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie habe bereits einen Auslandsstandort. Brossardt klagte: „Im Inland gibt es kaum Dynamik, die Pläne für das Ausland sind dagegen expansiv. Das ist ein alarmierendes Signal. Während das Bruttoanlagevermögen im Inland seit 2000 nur um rund ein Prozent jährlich zugenommen hat, hat sich der Bestand an Direktinvestitionen bayerischer Industrieunternehmen im Ausland im gleichen Zeitraum verdoppelt.“

Der vbm-Hauptgeschäftsführer begründet diese Entwicklung wie alle Wirtschaftsvertreter mit zu „hohen Arbeitskosten“ in Deutschland. „Lange Zeit war das Hauptmotiv für den Gang ins Ausland, neue Märkte zu erschließen. Jetzt geht es verstärkt wieder um Kostenersparnis. Die hohen Arbeitskosten hierzulande sind ein wesentlicher Standortnachteil“, sagte Bertram Brossardt.

Der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie verweist auf Zahlen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, wonach die Arbeitskosten in Westdeutschland pro Arbeitnehmer und Stunde im Jahr 2014 bei 40 Euro lagen. In Westdeutschland produzierende Unternehmen hätten deshalb gegenüber anderen Industrieländern, erst recht aber gegenüber osteuropäischen Staaten und Schwellenländern einen beträchtlichen Kostennachteil.

Diese Einlassungen sind vor dem Hintergrund der aktuellen Tarifrunde in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie zu sehen und sollen an die „tarifpolitische Vernunft“ appellieren. Zur Ankündigung von Warnstreiks der IG Metall Bayern sagte Brossardt: „Wir fordern die IG Metall auf, die Gespräche konstruktiv am Verhandlungstisch fortzusetzen. Wir müssen jetzt gemeinsam eine vernünftige Lösung finden. Oberstes Gebot ist dabei der Erhalt von Wertschöpfung und Beschäftigung in der bayerischen M+E Industrie.“

Die Tarifkommission der IG Metall hatte einstimmig beschlossen, massive Warnstreiks ab dem 29. April 2016 ab 0.00 Uhrvorzubereiten, falls die Arbeitgeber bis dahin ihr Angebot nicht wesentlich verbessern. Die Tarifkommission hält das Angebot der bayerischen Arbeitgeber für keine ernsthafte Verhandlungsbasis. Jürgen Wechsler, Bezirksleiter der IG Metall Bayern, sagte zum Verlauf der ersten zwei Verhandlungsrunden: „Das Angebot der Arbeitgeber von 0,9 Prozent mehr Geld und einer Einmalzahlung von 0,3 Prozent wurde in der Diskussion in den Betrieben als unwürdig von den Belegschaften aufgenommen.“

Verhandlungsführer Wechsler fasst die gewerkschaftliche Kritik am Arbeitgeberangebot so zusammen: „Damit belegen die Arbeitgeber, dass sie lediglich an Profit-Maximierung interessiert sind. Das Angebot wird weder der wirtschaftlichen Situation noch dem Engagement der Beschäftigten gerecht. Stattdessen provoziert die Gegenseite eine frühzeitige Eskalation der Tarifrunde.“

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