bayern-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft

Bierproduktion in Deutschland stagniert

Streit zwischen Altbayern und Franken: Wer hat das Reinheitsgebot für Bier erfunden?

Dienstag, 02 Februar 2016 01:05
Streit zwischen Altbayern und Franken: Wer hat das Reinheitsgebot für Bier erfunden? Bild: PIXABAY.COM

Wiesbaden - Ziemlich genau 500 Jahre ist nach landläufiger Auffassung das deutsche Reinheitsgebot für das Bierbrauen alt. Im April 1516 trat der Bayerische Landständetag unter Vorsitz von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt zusammen und billigte eine vom Herzog vorgelegte Vorschrift, wonach zur Bierherstellung nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen. Dieses Reinheitsgebot wurde für ganz Bayern verbindlich und ist das älteste, noch gültige Lebensmittelgesetz der Welt. Gerade in Bayern soll das große Jubiläumsjahr deshalb gebührend gefeiert und so auch für die heimische Braukunst geworben werden.

Doch nun ist ein Streit um die Frage ausgebrochen, wer das Reinheitsgebot erfunden hat: die Altbayern oder die Franken? Die Wiege des Reinheitsgebotes stehe in Franken, behauptet der Fränkische Bund. Dieser wurde 1990 gegründet und vertritt fränkische Belange im Freistaat Bayern. Der Vorsitzende des Fränkischen Bundes, Wolfgang Hoderlein, erklärte: „Die Staatsregierung pflegt hier ein Klischee, das gar nicht von der historischen Faktenlage gedeckt ist.“

Schon 27 Jahre vor dem Erlass des Reinheitsgebotes durch bayerische Herzöge habe der Bamberger Fürstbischof Heinrich III. „für Bamberg und das Umland“ eine Reinheitsvorschrift für den Gerstensaft erlassen. Darin hieß es, dass im Bier „nicht mere denn Malz, Hopfen und Wasser verwendet“ werden dürfe, wie Hoderlein weiß, der von 2000 bis 2003 auch Landesvorsitzender der bayerischen SPD war. Der Erlass stamme vom 12. Oktober 1489. Das Dokument habe vor zwei Jahren ein Archivar des Bamberger Staatsarchivs entdeckt, sagte der Chef des Fränkischen Bundes.

Der Bayerische Brauerbund hat eingeräumt, dass es neben dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516 schon ältere lokale Vorschriften zum Bierbrauen gab: 1156 für Augsburg, 1293 für Nürnberg, 1363 für München und 1447 für Regensburg.

Losgelöst von der historischen Streitfrage um das früheste Reinheitsgebot bleibt Bayern das Bundesland mit der höchsten Bierproduktion. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden wurde 2015 jedes vierte deutsche Bier im Freistaat gebraut, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit einem Anteil von 23,4 Prozent. Auch die Liste der Exporteure führen die bayerischen Brauereien an: Fast ein Drittel ihres Bieres ging ins Ausland. Die Bier-Exporte stiegen 2015 um 4,0 Prozent, während der inländische Absatz um 0,7 Prozent auf ein Tief von 79,5 Millionen Hektolitern fiel. Insgesamt stieg die Biermenge im Vergleich zum Vorjahr um 0,1 Prozent auf 95,7 Millionen Hektoliter.

Artikel bewerten
(17 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten