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Tochtergesellschaften auf Malta, in Hongkong, in Irland und in den USA

St. Publius Gruppe: Steuerreduktionskanzlei des Peter Knappertsbusch verspricht Blaues vom Himmel

Montag, 23 November 2020 23:57
Peter Knappertsbusch ist geschäftsführender Gesellschafter der St. Publius Gruppe Peter Knappertsbusch ist geschäftsführender Gesellschafter der St. Publius Gruppe Quelle: Facebook

London/Valletta – Steueroasen haben angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der Corona-Krise einen noch schlechteren Ruf als sowieso schon. Sie ermöglichen es ausgerechnet Konzernen, die in der Krise von massiven staatlichen Rettungsprogrammen profitieren, ihre Steuerschuld kleinzurechnen und ihre Einnahmen vor dem Fiskus zu verschleiern. Dürfen Großunternehmen, die auf Kosten der Steuerzahler mit Milliardenbeträgen unterstützt werden, wirklich alles tun, um Steuern zu vermeiden?

Diese Frage richten immer mehr Politiker und Medien an die Lufthansa, die neun Milliarden Euro an Staatshilfe bekommt. „Focus Online“ schrieb am 27. Oktober 2020 über den Luftfahrtkonzern, den Autovermieter Sixt und andere staatlich gerettete Unternehmen: „Sie alle nutzen legale, aber grenzwertige Steuertricks über Tochterfirmen in Steueroasen, um ihre Steuerzahlungen in Deutschland zu verringern. Wenn es allerdings um Hilfe oder Förderung geht, verstecken sie sich nicht.“ Solche Verbindungen zu Schattenfinanzzentren sind anstößig, aber eben auch höchst einträglich. Die Lufthansa beschäftigte vor der Corona-bedingten Wirtschaftskrise fast 138.000 Mitarbeiter. „Zwei davon in einer Tochterfirma auf Malta“, stellt „Focus Online“ fest und berichtet weiter: „Die beiden sind höchst produktiv: Sie haben im vergangenen Jahr fast 200 Millionen Euro Gewinn für die Fluggesellschaft gemacht. Insgesamt kommt die Lufthansa auf an die 100 Tochtergesellschaften, von denen viele in steuergünstigen Ländern ihren Sitz haben.“

Auch der Autovermieter Sixt nutzt die EU-Steueroase Malta, wo er mit der Sixt International Services GmbH eine Tochterfirma betreibt, die andere Firmen des Konzerns mit Krediten versorgt. „Der Vorteil einer solchen Konstruktion besteht darin, dass die Schuldnerfirmen ihre Zinszahlungen steuermindernd vor Ort geltend machen, während die maltesische Firma ihre Zinseinkünfte weitgehend steuerfrei behalten kann“, analysiert „Focus Online“. Des Weiteren würden zwei Mitglieder der Sixt-Familie bei der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca als Mandanten geführt. „Die internationale Kanzlei stand im Mittelpunkt der Ermittlungen rund um die sogenannten Panama-Papers und hat ihren Klienten mit Briefkastenfirmen geholfen, ihre Steuerzahlungen zu verringern“, so die Online-Ausgabe des Wochenmagazins.

Steuervermeidungsmodellen in der juristischen Grauzone scheint sich auch die St. Publius Corporate Services Ltd. mit Sitz in London verschrieben zu haben. Unter der Leitung von Director und DPO Peter Knappertsbusch werden offiziell „Unternehmensgründungs-, Verwaltungs- und Treuhanddienstleistungen“ angeboten. Um seinen Geschäften weltweit nachgehen zu können, betreibt er mit der St. Publius Malta Limited, der St. Publius Hongkong Limited, der St. Publius Ireland Limited und der St. Publius Consulting INC Tochtergesellschaften auf Malta, in Hongkong, in Irland und in den Vereinigten Staaten. Die St. Publius Gruppe bietet ihre Dienste zur Steuervermeidung nicht etwa diskret an, sondern bewirbt sie ganz offensiv. Die selbsternannte „Steuerreduktionskanzlei“ verspricht in einer Werbeanzeige: „Steuerparadies Malta – Fünf Prozent Steuern mit Malta Ltd. 350 Euro Full-Service inkl. Büro und Buchhaltung. Treuhandlösungen möglich. Die Steuersparlösung für deutsche Firmen. Nur fünf Prozent pauschal auf Gewinne. Full-Service: Buchhaltung, Kontoeröffnung, Firmengründung, Steuererklärungen.“

In blumigen Worten werden die Vorteile einer Firmengründung auf Malta beschrieben. Dazu sollen die Vermeidung von Haftungsrisiken, eine Steuerersparnis von bis zu 95 Prozent, Anonymität und die Irrelevanz von Schufa-Bonität gehören. Der Privatwohnsitz müsse nicht einmal nach Malta verlegt werden, um in den Genuss des Steuersatzes von fünf Prozent zu kommen. Auf der Facebook-Seite der Unternehmensgruppe wird Kunden regelrecht das Blaue vom maltesischen Himmel versprochen. Die Schlagworte zum Kundenfang heißen „Steuerreduzierung auf 0 Prozent“, „4,25 Prozent Zinsen pro Jahr“, „Schuldenfrei in sechs Monaten“, „Homeoffice im Süden“, „Firmengründung in Irland kostenlos“, „Kostenloser IT-Check“ und „4.500 Euro geschenkt“.

Bei diesen rosigen Versprechungen ist höchste Vorsicht geboten, weil die Finanzdienstleistungen offenbar ohne Lizenz angeboten werden. So heißt es im Impressum der unternehmenseigenen Internetseite – Stand 23. November 2020 – ganz unverblümt: „St. Publius Corporate Services Ltd. (UK) ist von der HM Revenue & Customs autorisiert, Unternehmensgründungs-, Verwaltungs- und Treuhanddienstleistungen weltweit anzubieten. Die einzelnen Tochtergesellschaftern verfügen nicht über eigene Lizenzen.“ Das erklärt auch die Warnungen auf verschiedenen Verbraucherschutzseiten vor dem Geschäftsgebaren der „Steuerreduktionskanzlei“ von Betriebswirt Peter Knappertsbusch (BBA). Der geschäftsführende Gesellschafter der St. Publius Gruppe sieht sich als Ansprechpartner bei der strategischen Ausrichtung unternehmerischer Aktivitäten. „Er selbst hat mehrere deutsche Unternehmen – teils mit siebenstelligen Umsätzen – gegründet als auch erfolgreich saniert. International tätig ist er mit eigenen Büros und Mitarbeitern in Hongkong, Malta, Großbritannien, den USA und Irland“, heißt es seitens seiner Kanzlei.

Die „Wirtschaftswoche“ setzte sich im Mai 2017 kritisch mit den halbseidenen Finanzdienstleistern auseinander, die sich auf Malta niedergelassen haben oder maltesische Unternehmensgründungen zur Steuervermeidung anbieten, und beklagte eine „lasche Finanzaufsicht“ in dem Inselstaat. So habe die Skandalbank Pilatus ihre Lizenz von der Behörde innerhalb von drei Monaten bekommen, obwohl der Inhaber weder Bürger Maltas gewesen sei noch irgendeine Erfahrung in der Branche habe vorweisen können. Auch die Geschäftspraktiken der St. Publius Corporate Services Limited wurden von der „Wirtschaftswoche“ kritisch unter die Lupe genommen. So hieß es: „Im Oktober 2013 veröffentlichte die Aufsicht eine Warnung, St. Publius biete Finanzdienstleistungen ohne Lizenz an. Hinter der Firma steht der rheinische Unternehmer Peter Knappertsbusch, der es Anfang der 2000er-Jahre mit seinem Internetunternehmen Quickprinter zu lokalem Ruhm brachte. 2010 siedelte er persönlich nach London und mit seinem Druckunternehmen nach Malta über und erweiterte sein Portfolio um steuerliche Dienstleistungen. Die Warnung wiederholte die Behörde im vergangenen Jahr, den Geschäften des Herrn Kappertsbusch hat das bisher keinen Abbruch getan.“ Die Erwähnung in dem Artikel „Das neue Panama“ über das Steuerhinterzieher-Paradies Malta ist nicht gerade Positivwerbung für die Unternehmensgruppe.

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