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Elektromobilität bleibt eingeschränkt

Opel Ampera-E: Warum der große Wurf immer noch auf sich warten lässt

Sonntag, 11 Juni 2017 16:15
Der Opel Ampera Der Opel Ampera Quelle: Opel

Rüsselsheim - Die Fernsehreklame für den Opel Ampera-E sorgt für Aufsehen: 500 Kilometer soll die Reichweite des reinen Elektroautos betragen, das sich größentechnisch in der Golf-Klasse bewegt. Damit wäre es endlich einem deutschen Hersteller gelungen, ein konkurrenzfähiges Elektroauto auf den Markt zu bringen, das es mit den Modellen von TESLA insbesondere auch bei der Reichweite aufnehmen kann.

Bei der Reichweite geflunkert – im Vergleich dennoch ordentlich

Doch ebenso wie bei Normal-Autos die Verbrauchsangaben mit der Wirklichkeit nur wenig zu tun haben, stimmt auch die Reichweite beim Opel Ampera-e nicht. Als Praxiswert gibt Opel 380 Kilometer Reichweite an, was immer noch ein ordentlicher Wert wäre. Nun hat der ADAC den Elektro-Opel unter die Lupe genommen und kommt in seinem besonders realistischen Praxistest auf 342 Kilometer – mehr als 30 Prozent weniger Reichweite also, als in der Werbung angepriesen. Da jedoch auch der sehr teure Tesla Model S im ADAC Test nur auf 390 Kilometer kommt, ist der Wert des Ampera-e dennoch ein Erfolg.

Sportlich motorisiert

Die Frage ist derweil nur: Wie hoch ist die Reichweite bei Minusgraden im Winter, unter Volllast und wenn das Auto ein paar Jahre alt ist? Wer mit der Anschaffung eines Elektroautos liebäugelt, sollte diese Aspekte nicht links liegen lassen. Gerade, wenn das Elektroauto so sportlich daherkommt wie der Ampera-e, der weiß Gott nicht zum Kriechen auf der rechten Spur verdammt ist. 204 PS, 360 Newtonmeter und sehr gute Elastizitätswerte laden zur Kurvenjagd ein. Schneller als 150 Km/h kann man trotzdem nicht fahren – vermutlich, weil dann die Reichweite nicht mal mehr im Ansatz haltbar wäre.
Ist die Batterie dann nach solchen Eskapaden leer, geht sie an die Steckdose. Und zwar lange. Alltagsuntaugliche 30 Stunden muss der Ampera-e laden, bis die Batterie voll ist. Mit einer speziellen Wallbox – natürlich separat für großes Geld anzuschaffen – lässt sich die Zahl auf immer noch zu hohe 20 Stunden senken. Schneller geht es nur an öffentlichen Ladesäulen mit Schnellladesystemen: Die sind jedoch so teuer, dass die Elektromobilität dann doch ein teures Vergnügen wird.

Leasing sichert ab gegen Risiken alter Elektroautos

Apropos teuer: Wer den Opel haben will muss 44.060 Euro in der Tasche haben – mindestens. Dass der Wagen trotzdem als günstiger Einstieg in die E-Auto-Szene gepriesen wird, liegt nur daran, dass die Konkurrenz oftmals sogar noch teurer ist. Interessant für alle, die einen hohen Wertverlust, altersschwache Batterien und ähnliches fürchten: Opel bietet endlich auch die Möglichkeit an, ein Elektroauto zu leasen. Bislang hatten – gerade auf Grund der genannten Unklarheiten – viele Leasinganbieter von Elektroautos lieber die Finger gelassen. Die Raten gehen ohne Anzahlung bei 505 Euro im Monat für 10.000 Kilometer los.

Doch selbst wer sich das leisten kann, schaut trotz der TV-Werbung als deutscher Kunde in die Röhre: Bis er sein Fahrzeug in den Händen hält, kann es 2019 werden. Der Wagen wird nämlich von Chevrolet in den USA gebaut und die Kontingente für Deutschland sind überaus knapp bemessen. Vorerst soll es den Ampera-e für Privatkunden nur im Leasing geben. Opel verspielt damit einen Wettbewerbsvorteil, denn noch ist der Ampera-e seinen deutschen Gegenspielern weit voraus. Das dürfte sich bis 2019 allerdings geändert haben.

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