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Sparkassen-Präsident fordert vom Bund Unterstützung für enteignete Sparer

Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank kostet deutsche Sparer Milliarden Euro

Donnerstag, 03 November 2016 23:56

Berlin - Um den hochverschuldeten Krisenländern der EU ohne nennenswerte Reformschritte weiterhin eine problemlose Kreditaufnahme zu ermöglichen, betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) eine historisch beispiellose Nullzinspolitik. Was die Südeuropäer freut, kostet die deutschen Sparer Geld in Milliardenhöhe. Weil die Inflationsrate die nunmehr zinsertragsfreien Sparguthaben entwertet, werden die Deutschen durch die Nullzinsstrategie von EZB-Präsident Mario Draghi schleichend enteignet.

Wie den Monatsberichten der Deutschen Bundesbank zu entnehmen ist, sind die Zinsgutschriften auf Spareinlagen von 2009 bis 2015 auf ein Drittel ihrer früheren Höhe geschrumpft – von 13,8 Milliarden auf 4,4 Milliarden Euro. Die tatsächlichen Vermögensverluste sind aber noch höher als nur die verlorenen Zinserträge für Sparbücher. In den monatlich veröffentlichten Zahlen der Bundesbank zu den Spareinlagen sind die Wertverluste von Lebensversicherungen, Bausparverträgen und anderen zinsbasierten Kapitalanlagen gar nicht erfasst.

Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), kritisierte: „Die anhaltende Niedrigzinsphase bringt zunehmend die persönliche Lebensplanung von Millionen Bundesbürgern in Gefahr. Viele Menschen sehen es realistisch und gehen daher davon aus, dass sie wegen fehlender Zinserträge nicht mehr zum vorgesehenen Zeitpunkt in Rente gehen werden können.“

Der Sparkassen-Präsident fordert vom Bund deshalb eine Änderung des Vermögensbildungsgesetzes. Es wäre „mehr als gerechtfertigt, wenn insbesondere der Bund durch eine stärkere Unterstützung des Sparens einen Teil dieser Vorteile wieder an die benachteiligten Sparer zurückgäbe“, sagte Georg Fahrenschon.

Profiteure des Zinsverfalls sind nämlich nicht nur die südeuropäischen Schuldenstaaten. Auch die Bundesregierung kann die Schuldenlast des Bundes massiv drücken.

2009 musste der Bund noch 38,1 Milliarden Euro Kreditzinsen an die Gläubiger zahlen. Im vergangenen Jahr waren es ausweislich des diesjährigen Finanzberichtes des Bundesfinanzministeriums nur noch 23,2 Milliarden Euro. Durch die EZB-Politik sind die Zinsausgaben des Bundes im Jahr 2015 gegenüber 2009 somit um fast 15 Milliarden Euro gesunken. Dabei ist der Schuldenberg des Bundes seit 2009 immer weiter gewachsen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) übt deshalb kaum Kritik an den zinspolitischen Manövern Mario Draghis.

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