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Bayerns Landwirtschaftsminister hat den Agrarbericht 2016 vorgestellt

Massive Gewinneinbrüche machen bayerischen Landwirten zu schaffen

Donnerstag, 20 Oktober 2016 19:11

München - Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) stellte am Mittwoch im Landtag den Agrarbericht 2016 vor. Sein Fazit: „Unsere Bauern trotzen der Krise auf dem Agrarmarkt.“ Dabei gibt der Bericht angesichts eines nur verlangsamten Höfesterbens und massiver Gewinneinbrüche der Landwirte wenig Anlass für Zufriedenheit.

In den erfassten Wirtschaftsjahren 2013/14 und 2014/15 sank die Zahl der bayerischen Agrarbetriebe um 1,1 Prozent auf 109.200 Höfe mit einer durchschnittlichen Betriebsgröße von 29,5 Hektar. Damit verlangsamte sich lediglich das Höfesterben, weil die Quote vor vier Jahren noch bei 1,5 Prozent lag. Aber die Tendenz ist eindeutig. 

Die Zahl der Milchviehhalter ging um vier Prozent und die der Ferkelhalter sogar um rund sieben Prozent zurück. Laut dem Agrarbericht gab es bei den Tierhaltern trotzdem nur selten komplette Betriebsaufgaben, weil die Betroffenen auf andere Produktionszweige umgestiegen sind. 

Die Land-, Ernährungs- und Forstwirtschaft ist nach Aussage Helmut Brunners ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Freistaat. Die hier erzielten Umsätze von 156 Milliarden Euro machten 14 Prozent der Gesamtumsätze der bayerischen Wirtschaft aus. Jeder siebte Arbeitsplatz hänge direkt oder indirekt mit der Land- und Forstwirtschaft zusammen. 

Im Wirtschaftsjahr 2014/15 brachen die Gewinne im Vergleich zu den Vorjahren aber um fast 19 Prozent ein. Auch deshalb verfügen rund 60 Prozent der bayerischen Höfe neben der Landwirtschaft über ein zweites unternehmerisches Standbein, vor allem in der Energieerzeugung, der Direktvermarktung und im Tourismus. 

Weil die präsentierten Daten im Wesentlichen nur bis zum Jahr 2015 reichen, gab der Generalsekretär des Bayerischen Bauernverbandes Hans Müller zu bedenken: „Die Auswirkungen der desaströs niedrigen Preise der letzten Monate finden damit keinen Eingang in den aktuellen Agrarbericht.“ Brunners Einschätzung könne und dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, „dass die Lage vieler Familienbetriebe nach wie vor schwierig ist, die Erzeugerpreise weiterhin niedrig sind und die desaströse Preispolitik auf vielen bayerischen Höfen zu massiven Problemen führt“. 

Der Bayerische Bauernverband fordert wegen der prekären Finanzlage vieler Milchbauern, Schweinehalter und Ackerbauern, dass auf Bundesebene endlich die seit Monaten angekündigten Hilfsmaßnahmen umgesetzt werden. 

Der alle zwei Jahre erscheinende bayerische Agrarbericht ist das umfangreichste Informationswerk zur Lage der regionalen Landwirtschaft. Er dokumentiert mit Text-, Tabellen- und Kartenmaterial den hohen Stellenwert und die Entwicklung dieser Branche im Freistaat. Der Agrarbericht 2016 steht ausschließlich online zur Verfügung und kann unter www.agrarbericht.bayern.deheruntergeladen werden.

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