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Laut Ifo-Institut sehen Unternehmen kaum Fachkräfte-Potential bei Asylbewerbern

Hohe Asylantenzahlen werden 2016 die Arbeitslosigkeit steigen lassen

Mittwoch, 02 Dezember 2015 19:57
ifo Institut ifo Institut Quelle: ifo Institut

Nürnberg - Die Zahl der Erwerbslosen im Freistaat Bayern ist im November um 1.460 auf etwa 233.700 gestiegen, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb trotzdem unverändert bei 3,3 Prozent, während die Zahl der Beschäftigten einen neuen Höchststand erreichte. Im September lag die Beschäftigtenzahl in Bayern bei 5,285 Millionen; das waren 138.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mehr als im letzten Jahr. Auch die Zahl offener Stellen nahm leicht zu, insbesondere im Sozial- und Gesundheitswesen sowie in bestimmten Dienstleistungsbranchen. Im Bau- und Gastgewerbe ging die Zahl saisonbedingt zurück. Markus Schmitz, Chef der Regionaldirektion, sagte dazu: „Diese Rückgänge sind für einen November üblich und weisen auf die langsam einsetzende, jährliche Winterarbeitslosigkeit hin.“

Schmitz sieht die Gesamtlage am Arbeitsmarkt positiv: „Der bayerische Arbeitsmarkt zeigt sich auch im November gesund und aufnahmefähig, ja fast frühlingshaft.“ Geholfen habe die gute Arbeitsmarktlage auch schwerbehinderten Menschen. Im Jahr 2015 hätten bislang 10.000 Schwerbehinderte einen Arbeitsplatz gefunden und damit 6,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch für Flüchtlinge biete die Entwicklung des Arbeitsmarktes gute Chancen, meint Schmitz. Dabei muss der Vertreter der Regionaldirektion einräumen, dass im nächsten Jahr mit einem spürbaren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen sei – eben wegen der hohen Asylantenzahlen. Bereits in diesem November sei die Arbeitslosigkeit unter nichtdeutschen Jugendlichen im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent gestiegen. Derzeit betreuen die bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter etwa 16.000 Menschen mit „Fluchtgeschichte“, wie es im Neusprech heißt.

Die anfängliche Hoffnung der Wirtschaft, mit Asylanten die stets beklagte Fachkräfte-Lücke schließen zu können, ist längst Ernüchterung gewichen. Die große Mehrheit der Unternehmen hält die 950.000 Asylbewerber, die nach Angaben der Bundespolizei in diesem Jahr registriert worden sind, für kaum arbeitsmarkttauglich. Laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts unter rund 3.150 Unternehmen meint die große Mehrheit der Betriebe, Asylbewerber noch nicht einmal als Hilfsarbeiter einstellen zu können. Laut Ifo-Wirtschaftsprofessor Gabriel Felbermayr sehen konkret 59 Prozent der Betriebe selbst für eine Einstellung als Hilfsarbeiter nur geringe Chancen. Skeptisch werden von den meisten Unternehmen auch die Ausbildungschancen der Asylanten gesehen. 63 Prozent sehen keine Ausbildungsmöglichkeiten für Flüchtlinge, und 78 Prozent der befragten Betriebe können sich Asylanten auch künftig nicht als Facharbeiter vorstellen.

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