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Dienstleistungen rund um Kryptowährungen und Blockchain-Technologie

FSR GmbH: Ist Berformance um Andreas Baese ein guter Ansprechpartner in Sachen Bitcoin und Co.?

Samstag, 23 Mai 2020 15:47

Erfurt – Andreas Baese ist ein überzeugender Menschenfänger. Mehr oder weniger ist er offenbar das prägende Gesicht der FSR GmbH und von Berformance aus Thüringen.

„Wer auch nur einen Hauch von Unternehmer-Instinkt in sich trägt, der sollte seine Nase Richtung Blockchain richten. In dieser jungen Industrie ist vieles erst kurz angedacht. Jetzt ist der Moment, um mitzugestalten.“ Mit diesen euphorischen Worten aus einem „Wirtschaftswoche“-Artikel wirbt die Berformance Group für Dienstleistungen rund um Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Dabei handelt es sich um eine Marke der in Erfurt ansässigen FSR GmbH von Gerrit Kößling. Die Dachmarke ist aufgegliedert in Berformance-Lifestyle, Berformance-Finance, Berformance-Foundation, Berformance-Academy und Berformance-Services. Um den Verdacht fehlender Seriosität auszuräumen, der bei vielen Krypto-Dienstleistern nach Einschätzung von Verbraucherschützern zurecht besteht, weist die FSR GmbH gesondert darauf hin, ihren Firmensitz in Deutschland zu haben.

Viele Investoren machen weiterhin einen großen Bogen um Geschäfte mit der digitalen Leitwährung Bitcoin, weil ihnen das zugrunde liegende Geschäftsmodell nicht einleuchtet und ihnen die bisweilen abenteuerlichen Renditeversprechungen zu unseriös erscheinen. Die Skepsis wird auch dadurch genährt, dass viele Anbieter von Krypto-Investments nur vage erklären können oder wollen, welche Leistungen sie überhaupt anbieten. Auf der eigenen Facebook-Seite, die nur etwas mehr als 700 Personen „gelikt“ haben, preist sich Berformance als „Ansprechpartner in Sachen Bitcoin und Co.“ an. Ziemlich unkonkret heißt es dort am 1. März 2019: „Wir bieten eine umfassende Palette an Dienstleistungen für Interessierte, Investoren und Unternehmer. Je nach Zielen, Wünschen und Bedürfnissen...“ In einem anderen Facebook-Posting bezeichnet man sich nebulös als „Ansprechpartner in Sachen Krypto, Rendite, freies Leben“.

Am 18. April 2020 hinterließ jemand namens Mirko Kraft eine Negativ-Bewertung auf der Facebook-Seite von Berformance, die sich gewaschen hat. In holprigem Deutsch schrieb er: „Nicht besonders seriös, wenn die meisten Bewertungen keine neutrale Bewertung ist, sondern eine Werbestrategie, bei der man seine eigenen Leute dazu anwirbt, die Seite perfekt zu bewerten, ohne eine genaue Analyse zu fordern. Über die genauen Produkte, eure Leistungen oder eine Erklärung über die Funktionalität findet man nirgends. Einzig wenn man bereits Kunde ist. Dazu kommt, dass das Finanzamt bestimmt nicht begeistert ist von euren Kontenwechseln quer durch die Welt.“ Weiter kommentierte der Nutzer: „Das als hochseriös in Deutschland sitzend beworbene Unternehmen ist in Wahrheit nichts anderes als ein kleines Privathaus inmitten einer Wohngegend. Dass man dann noch bei jeder noch so kleinen Möglichkeit versucht, Banken als unseriös darzustellen und dass man sein Geld verlieren könnte (was schlichtweg unmöglich ist in Deutschland), zeugt nicht gerade von legalen Geschäften oder einem seriösen Unternehmen.“

Es spricht für die FSR GmbH, dass sie diese scharfe Kritik von ihrer Facebook-Seite nicht gelöscht hat, obwohl sie potenzielle Kunden massiv verschrecken kann. Über sich schreibt der Dienstleister selbstbewusst: „Unser Ziel ist es, die Abläufe der Blockchain nahezubringen und durch maßgeschneiderte, renditestarke Konzepte im kryptischen Markt das Leben von Menschen zu verbessern. Unser Versprechen ist es, Innovationen zu schaffen, die unseren Kunden helfen, ihr gesamtes Potenzial zu entfalten und eine nachhaltige und belegbare Vermehrung ihres Kapitals zu erwirtschaften.“

Bitcoins werden durch die Lösung kryptograpfischer Aufgaben geschaffen, das sogenannte Mining. Anders als klassische Währungen werden Bitcoins nicht physisch gedruckt und von Zentralbanken herausgegeben, sondern dezentral von vielen Menschen rund um den Globus mit Computerpower „geschürft“. Ein Bitcoin-Konto, auch Wallet genannt, kann von jedem eröffnet werden, ohne dafür irgendwelche Nachweise erbringen zu müssen. Der Bitcoin unterliegt, wie auch andere Digitalwährungen, keiner fremden Kontrolle. Diese Währung wird nicht von einer Bank oder einem Staat kontrolliert, sondern von der eigenen Gemeinschaft über eine Blockchain. Jeder Computer, der Bitcoins errechnet und transferiert, ist Teil des großen Netzwerkes. Dies bedeutet, dass keine zentrale Institution geldpolitische Entscheidungen für das Bitcoin-Netzwerk treffen kann oder gar befugt ist, den Nutzern ihre Bitcoins wegzunehmen. Sollte das System aus irgendeinem Grund einmal offline gehen, bleiben die Bitcoins trotzdem erhalten. Das gesamte Protokoll des Bitcoin-Netzwerkes kann – zumindest in der Theorie – auf einer Festplatte gespeichert oder sogar auf Papier ausgedruckt werden.

Eine Blockchain (Blockkette) bezeichnet eine digitale Datei, in der die Informationen von allen Teilnehmern eines Netzwerkes abgespeichert und neue Informationen automatisch an die einzelnen Blöcke angeheftet werden. Das geschieht beispielsweise, wenn die Teilnehmer neue Bitcoins schürfen oder kaufen. Die neuen Datenblöcke werden mit den bisherigen in der Kette verknüpft, sodass jeder Teilnehmer alle Daten besitzt und sich nicht auf eine zentrale Stelle der Datenverwaltung verlassen muss. Die Blockchain garantiert das unveränderbare Abspeichern sämtlicher Informationen und sorgt damit für ein Höchstmaß an Transparenz und Manipulationssicherheit. Alles andere als sicher ist naturgemäß das Investieren in den Bitcoin selbst. Kein Unternehmen kann halbwegs seriös Renditen versprechen, wie das ständige Auf und Ab des Bitcoin-Kurses zeigt.

Der Blockchain-Experte Biyan Mienert warnte jüngst in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ vor naiven Renditeerwartungen: „Problematisch ist, dass Bitcoin noch nicht als Universaltauschmittel, sondern als Spekulationsobjekt betrachtet wird. Kryptowährungen unterfallen deshalb rechtlich nicht dem Geld- und Währungsbegriff. Das bringt Unsicherheiten mit sich. Zum Beispiel gibt es widersprüchliche gerichtliche Entscheidungen darüber, ob der Handel mit Bitcoins überhaupt bei Kursgewinnen steuerpflichtig ist. Wer in Bitcoins investiert, trägt natürlich wie beim Handel mit Aktien das volle Risiko, sein angelegtes Geld durch die Spekulation zu verlieren.“

Letzte Änderung am Samstag, 23 Mai 2020 15:56
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