bayern-depesche.de

Freigegeben in Wirtschaft

Investitionen in Wald und Forst

Fortschreitende Umweltschäden die größte Gefahr für Wohlstand, Zivilisation und Weltwirtschaft

Donnerstag, 10 Dezember 2020 22:52
Mischwald in Franken Mischwald in Franken Quelle: Johannes Kraus von Sande

Pappenheim - Wie nun selbst der größte Vermögensverwalter weltweit, der Fondsverwalter Blackrock erkannt hat, stellen die fortschreitenden Umweltschäden inzwischen die größte Bedrohung für die Entwicklung unserer Zivilisation und der Weltwirtschaft dar. Daher geht das Unternehmen zu völlig neuen Investmentstrategien über und bemüht sich um einen möglichst günstigen ökologischen Fußabdruck hinsichtlich aller relevanten Aktivitäten.

Zu den bereits hinlänglich bekannten und auch intensiv verzahnten Problemfeldern Klimawandel und Artensterben gesellt sich zumindest seit dem Jahr 2020 deutlich wahrnehmbar das Phänomen weltweit um sich greifender Pandemien. Wie die Ausbreitung derartiger Krankheitserreger wiederum mit den Phänomenen Klimawandel und Artensterben korreliert, beschreibt sehr anschaulich der deutsche Biologe und Autor Josef Settele in seinem jüngst erschienenen Werk „Die Triple-Krise“. Spätestens ab dem Jahre 2020 zeigt sich deutlich, dass keine Volkswirtschaft oder Gesellschaft weiter darauf bauen kann, die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagenwirtschaftlichen Interessen nachzuordnen. Vielmehr stößt jedwedes Wirtschaftswachstum in Zukunft schnell an seine Grenzen, wenn es zu Lasten von Umwelt und Natur erfolgt. Kurzum: Wir können es uns auch ökonomisch in keiner Weise mehr leisten, fahrlässig wie bisher mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen. Der alte Indianerspruch, dass man Geld nicht essen kann, stand also noch nie so klar vor seiner Bewahrheitung.

Die wirtschaftlichen Folgen von sich weltweit verbreitenden Krankheitserregern haben wir derzeit unmittelbar vor Augen und sollen an dieser Stelle nicht weiter besprochen oder analysiert werden. Eine große Bedrohung geht hierbei insbesondere von Viren aus, die vom Tier auf den Menschen übergehen können, sogenannten Zoonosen. Es ist mittlerweile eine mindestens im Fachbereich der Biologie weithin bekannte Tatsache, dass gestörte Ökosysteme die Entwicklung und Verbreitung derartiger Erreger stark begünstigen. Es ist daher höchst unwahrscheinlich, dass es sich bei der Ausbreitung von COVID-19 um ein singuläres Phänomen handelte. Mit ähnlichen Ereignissen wird in der Zukunft immer wieder zu rechnen sein.

Eine Zerstörung unserer Lebensgrundlagen findet jedoch nicht nur am fernen Amazonas statt, wo der Regenwald auch in diesem Jahr erneut im Rekordtempo vernichtet wurde. Sie geschieht vielmehr auch direkt vor unserer Haustüre, insbesondere durch weitgehend ungebremsten Flächenverbrauch, Flächenversiegelung, Überbesiedelungsowie auch durch ökologisch unverträgliche Formen der Landbewirtschaftung und industriellen Tätigkeit. In Rumänien sind aktuell europäische Urwälder in hohem Maße bedroht. Die Verbreitung von Schadstoffen aller Art sowie die Produktion von Abfallstoffen stellen nach wie vor ein gravierendes Problem dar, erinnert sei an dieser Stelle lediglich an die ungebremste Zunahme von Kunststoffabfällenin den Ökosystemen an Land und zu Wasser.

Wollen wir uns an dieser Stelle exemplarisch dem derzeit stark bedrohten Ökosystem Wald zuwenden, an dem sich die eingangs aufgestellte These bereits heute überdeutlich bestätigt. Realistisch betrachtet leben wir mittlerweile nicht nur in Zeiten eines sich rasch verschärfenden Klimanotstandes, vielmehr kann mit Fug und Recht bereits von einem übergreifenden „Umweltnotstand“ gesprochen werden. Ohne grundlegende Neuausrichtung unseres Verhältnisses und unserer Einstellung zu den natürlichen Lebensgrundlagen kann die menschliche Zivilisation nicht dauerhaft fortbestehen. Fortschritts- und Technikgläubigkeit stoßen zumindest unter fähigen Intellektuellen ebenfalls bereits an ihre Grenzen, die Politikgläubigkeit sogar vielfach beim einfachen Bürger. Erinnert sei an dieser Stelle an die Kulturtheorie des Philosophen Odo Marquart, der uns eindringlich daran erinnert hat, dass die Kompensation zunehmender und komplexer schädlicher und unerwünschter Nebenwirkungen von menschlichen Eingriffen und technischer Entwicklung nicht beliebig lange oder umfassendgelingen kann. Selbst die „Inkompetenzkompensationskompetenz“ der Geisteswissenschaften wird an natürliche Grenzen stoßen. Ohnehin wird den Geisteswissenschaften derzeit nicht genügend Gehör geschenkt.

Doch zurück zum Deutschen Wald: Seit rund drei Jahren ist die Forstwelt in Alarmstimmung. Fachleute sprechen vom zweiten, in dieser Form noch nie dagewesenen Waldsterben. Interessenverbände der Forstwirte, wie beispielsweise der Bund Deutscher Forstleute, haben bereits im Verlauf des Jahres 2019 den Klimanotstand für den Wald ausgerufen. In der Folge wurde ein regelrechter „Marshallplan“ für den Forsterarbeitet, der sogenannte „Carlowitz-Plan“ wurde unter breiter Beachtung der Fachwelt auch der deutschen Regierung vorgelegt. In der Folge berief man einen „NationalenWaldgipfel“ ein, der jedoch, wie im Bereich der Forstwirtschaft nicht anders zu erwarten, keine sofortigen positiven Ergebnisse zeitigen konnte.

Hunderttausende Hektar Wald sind mittlerweile alleine in Deutschland vernichtet, teilweise ist der Wald vertrocknet, teilweise von Schädlingen zerfressen oder sogar verbrannt.

Neben der Fichte und Kiefer ist mehr und mehr auch die Buche betroffen, die eigentlich ein hoffnungsvolles Ziel des Waldumbaus der letzten Jahrzehnte war. Nicht nur Altbäumeverschiedenster Arten fielen jedoch den ungünstigen und extremen Klimaverhältnissen zum Opfer, auch Voranbauten und Verjüngungen gingen im großen Stil zu Grunde. Der Boden trocknet zunehmend und bis in tiefe Schichten aus, der Wald verliert die Grundlage seines und unser aller Lebens, das Wasser.

Unter dem Einfluss des Klimawandels rächt sich nun auch die über Jahrzehnte und teilweise sogar Jahrhunderte überwiegend wirtschaftliche Ausrichtung der Waldbewirtschaftung. Eine große Zahl von Waldeigentümern steht vor dem wirtschaftlichen Aus und erwägt selbst nach vielen Generationen der familienbetriebenen Forstwirtschaft den Verkauf. Öffentliche Forstbetriebe schreiben tiefrote Zahlen. Der Holzerlös kann die Kosten der Bewirtschaftung in vielen Fällen nicht mehr decken.

Das aktuelle Schicksal des Waldes und auch die daraus bereits resultierenden wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Verwerfungen sollten uns ein Menetekel für die weitere Entwicklung unserer Zivilisation, unserer Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft sein.

„Der Wald ist nicht nur ein Ökosystem irgendwo da draußen; der Wald ist auch in uns, er ist Teil unserer Seelenlandschaft. Unsere Verbundenheit mit den Bäumen hat innige und tiefe evolutionäre Wurzeln: Sie entstanden vor 70 Millionen Jahren, als wir als Primaten durch das Geäst der tropischen Urwälder Afrikas huschten.“, führt der Kulturanthropologe und Autor Wolf-Dieter Storl zutreffend aus.

In diesem Sinne möchte ich in Zukunft durch einen fortlaufenden Blog einen Einblick in meine persönlichen und unmittelbaren Tätigkeiten und Erfahrungen im Rahmen des Natur- und Umweltschutzes ermöglichen sowie hierbei philosophische, kulturanthropologische und ethnobiologische Aspekte einfließen lassen.

Artikel bewerten
(55 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten