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In Unter- und Oberfranken werden besonders viele Immobilien aufgegeben

Dem Freistaat Bayern sind von 2006 bis 2015 genau 5.677 Nachlassimmobilien zugefallen

Montag, 09 Januar 2017 18:55

München - Die Zahl der Immobilien, die aufgegeben werden und dem Freistaat Bayern als Staatserbschaft zufallen, steigt rasant an. Das hat eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Adelt beim bayerischen Finanzministerium ergeben. Konnte der Freistaat im Jahr 2013 noch 4.363 Nachlassimmobilien sein Eigen nennen, waren es 2015 bereits 5.677. Somit fielen dem Bundesland im Zeitraum von 2006 bis 2015 fast 5.700 solcher Gebäude zu.

„Das ist ein Anstieg von 23 Prozent in zwei Jahren. Ich finde das höchst problematisch“, sagte der oberfränkische Abgeordnete Adelt. „Denn die verwaisten Häuser sind ein wichtiger Indikator dafür, wie es um die gleichwertigen Lebensverhältnisse in Bayern und die Attraktivität der einzelnen Regionen bestellt ist.“ 

Rechnet man alle Erbschaften Bayerns außerhalb der Grenzen des Freistaates weg, ergibt sich mit Blick auf die regionale Verteilung dieses Bild: 1.187 von 4.251 und damit 27,9 Prozent der besagten Immobilien befinden sich in Unterfranken, 1.075 und 25,2 Prozent in Oberfranken. Im Landkreis Main-Spessart wurden in den letzten zehn Jahren 269 Häuser nicht privat vererbt und damit mehr als dreimal so viele wie in München. 

Der SPD-Politiker findet: „Wenn mehr als die Hälfte der aufgegebenen Häuser in Unter- und Oberfranken stehen, dann sagt das etwas darüber aus, wo ein Eigenheim welchen Wert hat und wie die Rahmenbedingungen vor Ort sind.“ Die Zahlen belegten, dass man in Bayern von gleichwertigen Lebensverhältnissen in allen Landesteilen noch weit entfernt sei. Es gebe für die CSU-Staatsregierung deshalb keinen Grund, so zu tun, als wäre „Bayern eine einzige Insel der Glückseligkeit“. 

Laut „dpa“ sind deutschlandweit mittlerweile 10.000 Immobilien beziehungsweise Liegenschaften als Erbe an den Staat gefallen. „Wenn jede zweite davon in Bayern ist und jede fünfte davon in Ober- und Unterfranken steht, muss man sich doch die Frage nach dem ‚Warum‘ stellen“, mahnte Klaus Adelt. 

Unabhängig davon, ob man freiwillig oder unfreiwillig zum Eigentümer geworden sei, müsse die Staatsregierung sich besser um diese Häuser kümmern und sie offensiver vermarkten. Der SPD-Fraktionssprecher für kommunale Daseinsvorsorge fordert ein Umdenken: „Notfalls müssen sie den betroffenen Kommunen, denen oftmals in solchen Fällen die Hände gebunden sind, überschrieben werden. Es kann nicht sein, dass die Staatsregierung tatenlos zuschaut, wie hier Häuser verfallen. Eigentum verpflichtet.“

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