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Laut Experten sind Atemmasken für den Virenschutz weitgehend ungeeignet

Corona-Krise: Beschaffungsdienstleister Kloepfel Group wittert großes Geschäft mit Masken

Montag, 20 April 2020 23:30
Corona-Krise: Beschaffungsdienstleister Kloepfel Group wittert großes Geschäft mit Masken Quelle: Pixabay.com | irtlach0

Wien – Die Corona-Krise zeigt schonungslos die Defizite des Gesundheitssystems und die Schattenseiten der Globalisierung auf. Weder Krankenhäuser noch Pflegeheime waren hierzulande auf den Ausbruch des Coronavirus vorbereitet. Überall fehlte es an Desinfektionsmitteln, Schutzkleidung und Nasen-Mund-Masken, um die Seuche einzudämmen und das Personal im Gesundheits- und Pflegebereich wirksam zu schützen. Jetzt rächt sich, dass es kaum noch inländische Hersteller gesundheitsrelevanter Basisprodukte gibt und die Produktion von Schutzmaterialien und Medikamenten systematisch nach Indien und vor allem China ausgelagert wurde. Mittlerweile dämmert selbst globalisierungsbegeisterten Politikern, dass man Produktionskapazitäten für lebenswichtige Güter wieder zurückholen muss, um in Krisenzeiten nicht völlig auslandsabhängig zu sein. Politiker versuchen derzeit verzweifelt, irgendwo auf der Welt Abermillionen von Schutzmasken zu bestellen. Obwohl immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Produktion erweitern oder umstellen, ist die Nachfrage nach Masken sehr viel größer als das Angebot, was Preiswucherern und unseriösen Geschäftemacherngroße Chancen bietet.

Schon im Februar waren viele Menschen bereit, völlig überteuerte Preise für Atemmasken zu zahlen. Im März schlug die Verbraucherzentrale Hamburg angesichts fast schon krimineller Wucherpreise Alarm. Die Verbraucherschützer schrieben: „Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel, aber auch Toilettenpapier – Waren, die vor der Ausbreitung des Coronavirus zu Recht niedrigen Preisen erschwinglich waren, sind bei einigen Händlern plötzlich zur begehrenswerten Rarität und zum Spekulationsobjekt geworden. So kosteten Atemschutzmasken im Internet schon 999 Euro.“ Von Wucher wird dann gesprochen, wenn jemand die Zwangslage eines anderen schamlos ausnutzt, um seine Waren so teuer zu verkaufen, dass zwischen Preis und Warenwert ein krasses Missverhältnis besteht.

Recherchen von „Süddeutscher Zeitung“, WDR und NDR haben ergeben, dass vielfach minderwertige Fälschungen im Umlauf sind. Jüngst meldete beispielsweise die Polizeibehörde Europol, dass sie 34.000 gefälschte chirurgische Masken sicherstellen konnte. Laut der Tageszeitung und den beiden öffentlich-rechtlichen Sendern erhalten nicht nur Verbraucher, sondern auch professionelle Einrichtungen völlig überteuerte Angebote für Atemschutzmasken – und das selbst von grundsätzlich seriösen Anbietern.

Wie seriös in diesem Zusammenhang die Kloepfel Group ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht sagen. Von sich selbst behauptet die Unternehmensgruppe, seit nunmehr 12 Jahren „Garant für die schnelle und pragmatische Kostenoptimierung“ und mit mehr als 250 Mitarbeitern in 20 „Business Divisionen“ Ansprechpartner für alle Fragen der Prozessoptimierung zu sein. Ein wichtiger Pfeiler der Unternehmensgruppe ist die Einkaufsberatung Kloepfel Consulting. 2007 gegründet, zählt die Beratungsgesellschaft nach eigenen Angaben rund 700 Mandanten vor allem im deutschsprachigen Mittelstand. Zur Firmengruppe gehören überdies Kloepfel Engineering, Kloepfel Real Estate, Kloepfel Corporate Finance, Kloepfel Services und Kloepfel 4PL Solutions. Beiratsvorsitzender ist seit vielen Jahren der ehemalige SPD-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Wolfgang Clement.

Die in Wien ansässige Kloepfel Holding GmbH will sich ihr Stück vom profitträchtigen Kuchen des Atemmasken-Geschäfts sichern. Aktuell wirbt der Beschaffungsdienstleister mit einer „Finanzierungsanfrage zur Beschaffung von Atemschutzmasken für die Bundesregierung und Länder“. Die Holding, geführt von Marc Kloepfel und Duran Sarikaya, erklärte dazu, dass in den letzten Wochen der Bedarf an persönlicher Schutzausrüstung nicht nur bei Endkunden, sondern insbesondere bei der Bundesregierung und den einzelnen Bundesländern stark gestiegen sei. So habe man neben der Belieferung von Endkunden auch die Bundesregierung und Bundesländer als Kunden gewinnen können. Die Stückzahlen seien dabei weitaus größer als bei einzelnen Unternehmen. „Wir haben bis dato alle Transaktionen ohne die Hinzuziehung von Fremdkapital finanziert. Da die Transaktionsvolumina und die damit einhergehenden finanziellen Anforderungen ansteigen, werden wir nun ebenfalls externe Investoren/Finanzierer mit Einlagen an dem Projekt beteiligen“, so die Kloepfel Group.

Die plötzliche Einwerbung von reichlich Fremdkapital dürfte Marktbeobachter aufhorchen lassen und Zweifel am Geschäftsmodell nähren. Geht es hier nur um eine allgemeine Kapitalspritze für den Unternehmensverbund oder tatsächlich um die kundenvertragsbasierte Abwicklung von Masken-Großaufträgen? Konkret bringt die Kloepfel Holding Finanzierungsanfragen im Gesamtwert von 30 Millionen Euro, Mindesttickets von einer Million Euro für Einzelinvestoren, eine vierwöchige Laufzeit bis maximal Ende Mai und eine Pauschalverzinsung von 10 Prozent ins Spiel. Für die „Beschaffungs-Task Force Covid 19“ werden angeblich 25 Sourcing-Spezialisten an den Standorten China, Südostasien, Türkei sowie Deutschland eingesetzt. Der Task Force für die Beschaffung von Atemschutzmasken und Schutzkleidung gehören Duran Sarikaya, Thanh Duy Tran, Stefan Nolte, Seoul Min, Hans Christian Vastert sowie Nazir Jarrah an.

Dabei taugen die meisten Masken gar nicht zur Virenabwehr. So bezweifelt laut „Focus Online“ ausgerechnet das vielzitierte Robert-Koch-Institut (RKI) die Schutzwirkung von Atemmasken. Es sei keinesfalls bewiesen, dass ihr Tragen das Ansteckungsrisiko mit Viren wie SARS-CoV-2 reduziert. Nur dem medizinischen Fachpersonal „bei entsprechenden pflegerischen, diagnostischen oder therapeutischen Tätigkeiten am Patienten“ empfehlen die RKI-Experten Atemschutzmasken. Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, hält es für unsinnig, dass gesunde Menschen im Alltag Masken und Mundschutz tragen, zumal das Atmen so schwerfalle. Nach Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann das Maskentragen sogar ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen und dazu führen, dass klassische Hygienemaßnamen vernachlässigt werden.

Auch die Fachpresse kann dem von Politikern dringend empfohlenen Maskentragen nichts abgewinnen. Am 7. April veröffentlichte das „Deutsche Ärzteblatt“ auf seiner Internetseite einen aufschlußreichen Artikel unter der Überschrift „Covid-19-Patienten husten Viren durch chirurgische Masken und Baumwollmasken hindurch“. Weil es überall zu wenige Atemmasken mit Filtern gibt, behilft sich das Klinikpersonal mit chirurgischem Gesichtsschutz, und die Bevölkerung trägt vor allem Baumwollmasken. Ein Team um Sung-Han Kim vom Asan Medical Center in Seoul hat beide Maskenarten an mehreren Patienten getestet, die an der Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt sind. Die Ergebnisse der Experimente wurden jüngst in den „Annals of Internal Medicine“ veröffentlicht. Die Patienten wurden gebeten, jeweils fünf Mal auf eine Petrischale zu husten, die sich 20 cm vor ihrem Gesicht befand. Dieses Experiment wurde insgesamt vier Mal wiederholt. Beim ersten Mal trugen die Patienten keine Maske, beim zweiten Mal eine chirurgische Maske, beim dritten Mal eine Baumwollmaske, und beim vierten Mal waren sie wieder maskenfrei.Auf der Netzseite „Aerzteblatt.de“ ist über die Ergebnisse zu lesen: „Wie Kim berichtet, betrug die mittlere Viruslast der vier Teilnehmer vor dem Experiment im Nasopharynx-Abstrich 5,66 log Kopien/ml und in den Speichelproben 4,00 log Kopien/ml. Beim Husten ohne Maske wurden in den Petrischalen 2,56 log Kopien/ml gemessen, beim Husten durch die chirurgische Maske wurden 2,42 log Kopien/ml gefunden und beim Husten durch die Baumwollmaske 1,85 log Kopien/ml. Die Viren wurden bei allen Patienten nach dem Husten auch auf der Außenfläche der Gesichtsmasken gefunden, während auf der Innenseite teilweise keine Viren nachweisbar waren.“ Kim zufolge zeigen die Experimente, dass weder Baumwollmasken noch chirurgische Masken die Viren von hustenden Patienten sicher aufhalten können. Ungeklärt blieb, warum die Viren an der Innenseite teilweise nicht nachweisbar waren.

Sollte sich der zweifelhafte medizinische Wert der Masken erst einmal herumsprechen, dürfte sich das auch bei der Kloepfel Group negativ bemerkbar machen, die angesichts der Corona-Krise in der Maskenbeschaffung das große Geschäft wittert. Was im Fall platzender Masken-Geschäfte aus den Einlagen der umworbenen Investoren wird, ist unklar.

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