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Interview mit Carsten Volkening, Personalvorstand der PBM AG

Carsten Volkening von Bankstore24 (PBM) über Sinn und Unsinn des „Riesterns“ für einen abgesicherten Lebensabend

Donnerstag, 17 Dezember 2015 03:52
Carsten Volkening vom Vorstand der Private Banken Makler AG Carsten Volkening vom Vorstand der Private Banken Makler AG Quelle: Bankstore 24

Dresden - Um die „Riester-Rente“ – benannt nach Walter Riester, dem früheren SPD-Bundesarbeitsminister im Kabinett Gerhard Schröder – ist es ziemlich ruhig geworden. Das hängt damit zusammen, dass diese durch staatliche Zulagen geförderte, aber privat finanzierte Rente einige Erwartungen nicht erfüllt hat. Gedacht war dieses rentenpolitische Instrument einmal als Mittel gegen die massenhaft  drohende Altersarmut von Kleinverdienern. Mittlerweile hat sich aber gezeigt, dass eher die finanziell Abgesicherten von diesem staatlichen Rentenzuschussmodell profitieren.

Die BAYERN DEPESCHE wollte deshalb von Carsten Volkening (45), Vorstand der Private Banken Makler AG (PBM) wissen, ob und für wen sich eine Riester-Rente eigentlich lohnt. Die PBM mit ihrer Marke Bankstore24 ist ein in Dresden ansässiges Vermittlungsunternehmen für Bank- und Finanzdienstleistungen und schöpft aus einem großen Portfolio an Bank-, Finanz-, Versicherungs-, Immobilien- und Investmentangeboten.

BAYERN DEPESCHE: Herr Volkening, wie erkenne ich, ob sich das „Riestern“ für mich lohnt?

Volkening: Nichts für die eigene Rente zu tun, ist die schlechteste Variante! Fakt ist: Die gesetzliche Rente allein wird für die heutige junge Generation im Alter nicht ausreichen. Es stellt sich deshalb in der Tat die Frage: für wen lohnt sich eine Riester-Rente? Ursprünglich war die Riester-Rente als Mittel gegen drohende Altersarmut vorgesehen. Glaubt man jüngeren Untersuchungen, so kommt auch diese Form der Altersvorsorge eher denjenigen zugute, die finanziell ohnehin schon recht gut dastehen. Somit scheint die Riester-Rente das ursprünglich ausgegebene Ziel, die Geringverdiener vor Altersarmut zu bewahren, zu verfehlen. Dadurch gerät die staatlich geförderte Riester-Rente natürlich immer wieder in die Kritik. Gerade junge Menschen stehen vor der Entscheidung: Soll ich einen Riester-Vertrag abschließen? Lohnt sich Riester für mich?

BAYERN DEPESCHE: Unter welchen Voraussetzungen kann man „Riestern“?

Volkening: Grundsätzlich macht der Abschluss einer Riester-Rente nur dann Sinn, wenn man auch die staatliche Förderung voll ausschöpfen kann. Die Riester-Rente ist ein Vorsorgeprodukt für junge Menschen, die damit eine spätere Rentenlücke schließen können. Eine Förderung erhält jeder Vertrag, wenn der Vertragsinhaber in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, oder er einen Ehepartner hat, der selber „riestert“. Um die Förderung in Form von Zulagen in voller Höhe zu erhalten, muss der Riester-Sparer in jedem Jahr mindestens vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen, mindestens aber 60 Euro im Jahr.

BAYERN DEPESCHE: Für wie berechtigt halten Sie die Kritik an der Riester-Rente?

Volkening: Die Riester-Rente steht immer wieder in der Kritik. Dies hat nachvollziehbare Gründe: Grundsätzlich macht ein Riester-Vertrag relativ viel Arbeit. Der Sparer muss sich zum Beispiel darum kümmern, dass die Zulagen jedes Jahr gezahlt werden. Hierfür muss der Riester-Sparer darauf achten, genügend Geld – eben mindestens vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens – in seinen Vertrag einzuzahlen, damit er auch die volle Förderung erhält. Es gibt allerdings auch Anbieter, die einen sogenannten Dauerzulagenantrag bei Vertragsabschluss zur Verfügung stellen. Einmal ausgefüllt, läuft das Thema Zulagenbeantragung dann automatisch.

BAYERN DEPESCHE: Welcher Vorteil eines Riester-Sparvertrages fällt Ihnen ein?

Volkening: Nun, ein Riester-Sparer erhält bei voller Förderung mindestens 154 Euro Grundzulage im Jahr. Außerdem gibt es noch einmal 185 Euro für jedes Kind, das vor 2008 geboren wurde. Für Kinder, die nach 2008 geboren wurden, gibt es sogar 300 Euro pro Jahr. Allein durch die Zulage – abhängig von der jeweiligen Familien- und Einkommenssituation – können attraktive Renditen von bis zu acht Prozent zustande kommen. Davon profitieren insbesondere Familien. Bei einer alleinstehenden Mutter von drei Kindern, die selbst nur 60 Euro im Jahr einzahlt, kommen so jährlich knapp 1.000 Euro Förderung für den späteren Rentenanspruch zusammen.

BAYERN DEPESCHE: Was muss man vor einem Vertragsabschluss beachten?

Volkening: Hier gilt es abzuwägen. Wer viele Jahre relativ wenig verdient hat und im Alter aller Voraussicht nach auf die Grundsicherung angewiesen sein wird, sollte ernsthaft überlegen, ob es sich für ihn lohnt. Aktuell ist es so, dass die Förderung aus einem Riester-Vertrag mit der Grundsicherung verrechnet wird. Wie bei allen Verträgen gilt es auch bei einem Riester-Vertrag genau abzuwägen, bei welchem Anbieter man diesen abschließt. Man sollte sich bei unabhängigen Finanzexperten verschiedene Angebote einholen.

BAYERN DEPESCHE: Herr Volkening, wir bedanken uns bei Ihnen für das Gespräch.

Letzte Änderung am Donnerstag, 17 Dezember 2015 03:54
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