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Rechtsanwälte Schulte und Lohr sehen Hoffnungsschimmer

Biogas-Anlage in Niederbayern könnte Gläubiger der Thormann Capital GmbH entschädigen

Donnerstag, 21 Mai 2015 22:38
Thormann Capital Thormann Capital Quelle: Thormann Capital GmbH

München – In Sachen Insolvenzplanverfahren über das Vermögen der Thormann Capital GmbH (ehemals LEO ONE Investment GmbH) und der und der Thormann Green EnergyVerwaltungs GmbH zeichnet sich nach Ansicht der mit dem Fall befassten Verbraucherschutzanwälte Dr. Thomas Schulte (Dr. Schulte und Partner, Berlin) und Dr. Stefan Lohr (Haiges Hermann Anderson LLP, München) ein Hoffnungsschimmer ab. Im Rahmen des Verfahrens soll eine Biogas-Anlage der Biogas Gut Schwaben GmbH und Co. KG in das Eigentum der geprellten Anleger überführt werden. Es handelt sich um ein Objekt in Niederbayern mit 800 kW BHKW und wurde durch ein Unternehmen der Münchner Strasser Capital gefertigt. Technisch und wirtschaftlich ist die Biogas-Anlage in tadellosem Zustand und "erwirtschaftet gutes Geld".

Nach Angaben des Insolvenzverwalters Ivo Meinert Willrodt verfügte die seit Juni 2013 im Insolvenzverfahren befindliche Thormann Capital GmbH zuletzt über ein Anlagevermögen in Höhe von rund 6,3 Millionen Euro. Der Alleingesellschafter und Geschäftsführer Michael Thormann hatte im September 2012 die LEO ONE Investment GmbH (Geschäftsführer damals: Michael Hollenbach) übernommen und in Thormann Capital umgewandelt. Zu den Vertragspartnern von LEO ONE gehörte auch die Unternehmensgruppe Strasser, die nun bereit wäre, besagte Biogas-Anlage an die Gläubiger der Thormann Capital GmbH abzugeben.

Laut Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte ist dies ein passabler Lösungsansatz zur Schadensfreistellung der Darlehensgeber. „Durch Verhandlungen mit der Insolvenzverwaltung und den Anlegervertretern soll eine Lösung erreichen werden, die schlussendlich dazu führt, dass neben den prozessualen Auseinandersetzungen, die die Rechtsanwälte Dr. Schulte und Partner für die betroffenen Anleger führen, auch über die zu erstrebende Zuordnung der funktionierenden Anlage zu den Anlegern eine vollständige Schadensfreistellung erreicht werden könnte“, so der Berliner Jurist.

Für Schulte ergeben sich durch den Biogas-Deal klare Vorteile für die Anleger. Hierzu erklärte er: „Aufgrund von Verhandlungen vor Ort in München und Berlin ergibt sich folgende Option für die Darlehensgeber der Thormann Capital bzw. LEO ONE GmbH: Ein Verkauf der Anlage an Dritte erscheint schwierig für die Insolvenzverwaltung, weil der Betrieb der Anlage gewährleistet werden muss. Da das gemeinsame Interesse ausschließlich dem Umstand gilt, die höchste Auszahlungsquote für die Gläubiger der Thormann Capital zu erreichen, haben wir das optimalste Transaktionsszenario mitentwickelt: a.) Eine 100%ige Beteiligung an einer operierenden Biogas-Anlage, b.) kumulierte Cash Flows to Equity iHv ca. 5,7 Millionen Euro, c.) höchstmögliche Quote für die Gläubiger und d.) optimalstes Abwicklungsszenario der Insolvenz im Sinne der Gläubiger.“

Sowohl Insolvenzverwalter Ivo Meinert Willrodt als auch die Anwälte Dr. Thomas Schulte und Dr. Stefan Lohr vertreten die Ansicht, dass im nun angestrebten Insolvenzplanverfahren nach § 217 InsO die Geltendmachung von Ansprüchen nur im Rahmen einer Geschädigtengemeinschaft sinnvoll ist, also eine große Anzahl von Gläubigern dem Verfahren grundsätzlich beitritt. Bei einem Insolvenzplanverfahren ist keine Zerschlagung, sondern eine Sanierung des Unternehmens unter Aufsicht des Gerichts und unter Einbeziehung der Gläubigergemeinschaft vorgesehen. Der große Aufwand des Unterfangens lohnt sich aber nur, wenn vorab sichergestellt ist, dass das Ziel juristisch seriös erreicht werden kann, wofür eben gegenüber dem Insolvenzverwalter nachzuweisen ist, dass eine entsprechend große Gruppe von geprellten Anlegern mitmachen will.

Ein sogenannter Insolvenzplan wird von der Insolvenzordnung als Sanierungsinstrument definiert. In § 217 InsO heißt es dazu: „Die Befriedigung der absonderungsberechtigten Gläubiger und der Insolvenzgläubiger, die Verwertung der Insolvenzmasse und deren Verteilung an die Beteiligten sowie die Verfahrensabwicklung und die Haftung des Schuldners nach der Beendigung des Insolvenzverfahrens können in einem Insolvenzplan abweichend von den Vorschriften dieses Gesetzes geregelt werden. Ist der Schuldner keine natürliche Person, so können auch die Anteils- oder Mitgliedschaftsrechte der am Schuldner beteiligten Personen in den Plan einbezogen werden.“

Mit anderen Worten: Der Insolvenzplan ist im Grunde nichts anderes als ein großangelegter Vergleich zwischen allen Gläubigern und dem schuldnerischen Unternehmen. Durch die Einigung mit der Unternehmensgruppe Strasser über die Abgabe der werthaltigen Anlage der Biogas Gut Schwaben besteht für die geprellten Anleger von Thormann Capital die Hoffnung, am Ende mit einem blauen Auge davonzukommen.

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