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Sind für Kleinanleger wirklich ähnliche Renditen wie für institutionelle Großanleger möglich?

Bergfürst AG von Guido Sandler und Dennis Bemmann verspricht Immobilien-Investments ab zehn Euro

Donnerstag, 21 Juli 2016 18:07
Bergfürst AG von Guido Sandler und Dennis Bemmann verspricht Immobilien-Investments ab zehn Euro Bildquelle: PIXABAY.COM

Berlin - In einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank (EZB) eine Nullzinspolitik betreibt, um den südeuropäischen Schuldenstaaten eine weitere Kreditaufnahme ohne Einsparbemühungen zu sichern, sind renditesuchende Anleger immer verzweifelter.

Wer sein Geld einfach auf dem Bankkonto lässt, wird dank der EZB schleichend enteignet, weil die Inflationsrate deutlich über dem Zinsniveau liegt. Und selbst wer Bundesanleihen zeichnet, verdient keinen müden Cent mehr, sondern hat nur noch die Sicherheit, den angelegten Geldbetrag in einigen Jahren zurückzubekommen.

Angesichts dieser trüben Verhältnisse flüchten immer mehr Anleger in Immobilien-Investments, die Renditen versprechen, von denen konventionelle Sparer nur noch träumen können. Eine dauerhafte Wertsteigerung von Immobilien ergibt sich nicht nur aus dem Run von sicherheitsorientierten Anlegern auf Wohneigentum, sondern auch aus dem großen Wohnraummangel in fast allen deutschen Großstädten mit immer weiter steigenden Mieten.

Hauptprofiteure der attraktiven Renditen aus Immobilien-Investments sind bisher fast durchweg institutionelle Anleger wie Banken oder Investmentfonds. Kleinanlegern bleiben diese Direktinvestments im lukrativen Immobiliensektor meist verwehrt, weil sie nicht über die geforderten Investmentvolumina verfügen.

Hier setzt eine Investment-Idee der in Berlin ansässigen Bergfürst AG an, bei der viele Anleger das benötigte Kapital gemeinsam aufbringen. Schon mit Kleinstbeträgen ab zehn Euro kann man dabei sein und soll von Konditionen profitieren, die sonst nur professionelle Großanleger genießen. Das Unternehmen verspricht: „Bereits mit einem kleinen Anlagevolumen können Sie bei uns in unterschiedliche Immobilien-Projekte investieren. So streuen Sie das Risiko und erhalten Zinsen zwischen 3,5 bis 7,0 Prozent p.a.“

Diese neue Anlageklasse, die Kleinanlegern neue Marktzugänge und ähnliche Renditen wie institutionellen Großanlegern verschaffen soll, erscheint wie eine demokratische Form des Immobilien-Investments, bei der wirklich jeder Anlagewillige mitgenommen wird.

Das Geschäftsmodell der Bergfürst AG ist schnell erklärt: In der Regel wird eine Immobilie größtenteils Fremdkapital-basiert über eine Bank finanziert. Aufgrund von gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben dürfen Banken Immobilien-Projekte aber nur zu maximal sechzig bis siebzig Prozent finanzieren. Viele Immobiliengesellschaften setzen für die Beschaffung der verbleibenden dreißig bis vierzig Prozent auf weitere Investoren, die einen Teil des Eigenkapitals – das sogenannte Mezzanine-Kapital – zur Verfügung stellen. Hier arbeiten die Gesellschaften meist mit großen institutionellen Anlegern zusammen, da diese das benötigte Finanzierungsvolumen aufbringen können.

Bergfürst-Anleger – so die Idee – schließen für die Immobiliengesellschaft gemeinsam die Finanzierungslücke und erhalten dafür die marktüblichen Zinsen für Mezzanine-Kapital institutioneller Anleger.

Die Bergfürst-Gründer Guido Sandler und Dennis Bemmann begannen im Jahr 2012 mit einer Crowdinvesting-Plattform, bauten diese dann zum Marktplatz für Immobilienfinanzierung aus und erwarben schließlich eine Banklizenz. Das war im Juli 2014 sogar dem „Tagesspiegel“ einen Artikel wert. Unter der Überschrift „Bergfürst ist jetzt eine Bank“ heißt es: „Das Berliner Start-up Bergfürst hat von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) eine Vollbank-Lizenz zum Betreiben von Bankgeschäften erhalten.“

Weiter schreibt das Berliner Blatt: „Bergfürst ist eine Investment-Plattform, auf der sich Privatinvestoren mit kleinen Beträgen an jungen Unternehmen und an einzelnen Immobilien beteiligen können. Diese Beteiligungen können anschließend auf der elektronischen Handelsplattform im Rahmen von Angebot und Nachfrage gehandelt werden.“

Im Jahr 2015 meldete das Online-Portal „Gründerszene“, dassBergfürst die Banklizenz schon wieder zurückgegeben hat, weil man die damit verbundene administrative Mehrarbeit unterschätzt habe und doch lieber unter einem Haftungsdach operiere.

Nach dem Ausflug ins Banking konzentriert sich die Bergfürst AG wieder auf ihre Crowdinvesting-Plattform, bei der sich Privatinvestoren ab einem Betrag von zehn Euro an einzelnen Immobilien und Immobilien-Portfolios beteiligen können.

Wie immer bleibt der geneigte Anleger aufgefordert, sich ein eigenes Urteil über Renditemöglichkeiten und Seriosität des Angebots zu bilden.

Letzte Änderung am Freitag, 22 Juli 2016 13:52
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