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München – Die Corona-Politik mit ihrem gefühlten Endlos-Lockdown belastet insbesondere Kinder und Jugendliche schwer. Das merken immer dramatischer die jugendpsychiatrischen Einrichtungen, deren Bedarf an Behandlungsplätzen enorm gestiegen ist. Die Kinder- und Jugendpsychiatrien haben inzwischen ihre Belastungsgrenzen erreicht. Der Betreuungsbedarf sei in der Corona-Krise massiv gestiegen, sagte beispielsweise Gerd Schulte-Körne. Der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München verglich die aktuelle Situation mit einem Fass, das gerade überlaufe. „Es gibt psychiatrische Erkrankungen in einem Ausmaß, wie wir es noch nie erlebt haben“, unterstrich auch Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). „Kinder und Jugendliche wurden in der Pandemie von Anfang an massiv vernachlässigt. In der ersten Phase waren die pauschalen Einschränkungen wie Schul- und Kitaschließungen noch nachvollziehbar. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass Kinder die Infektion deutlich weniger weitertragen und selbst deutlich seltener erkranken als Erwachsene“, so der BVKJ-Sprecher. Es seien „verheerende Langzeitfolgen“ für Kinder und Jugendliche zu befürchten. „Die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind voll, dort findet eine Triage statt. Wer nicht suizidgefährdet ist und ‚nur‘ eine Depression hat, wird gar nicht mehr aufgenommen“, beklagte Jakob Maske.

München - Im Laufe des Jahres 2016 wurden in Bayern 3.644 Maßnahmen eines Familiengerichts für Kinder und Jugendliche aufgrund einer Kindeswohlgefährdung eingeleitet. Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik waren 1.884 Jungen und 1.760 Mädchen betroffen. In 2.063 Fällen wurde die teilweise oder vollständige Übertragung der elterlichen Sorge auf das Jugendamt oder einen Dritten verfügt.