bayern-depesche.de

Freigegeben in Regional

Heimat- und Trachtenvereine scheuen aus Terrorangst Teilnahme am großen Wiesn-Umzug

Wegen Sicherheitsbedenken wurde berühmte „Damenwiesn“ auf Münchner Oktoberfest abgesagt

Mittwoch, 24 August 2016 19:08

München - Seit vielen Jahren gibt es die sogenannte Damenwiesn, zu der bis zu 1.400 Frauen aus wohlhabenden Kreisen von der Unternehmer-Gattin Regine Sixt eingeladen werden. Neben Geselligkeit und Kontaktpflege in der „besseren Gesellschaft“ geht es bei dieser Veranstaltung um das Spendensammeln für die Kinderhilfe-Stiftung der Gastgeberin namens „Tränchen trocknen“.

Am Dienstag teilte Regine Sixt mit, „dass ich nach langer Überlegung schweren Herzens die Entscheidung getroffen habe, meine Damenwiesn in diesem Jahr abzusagen“. Als Organisatorin trage sie „die Verantwortung für mehr als 1.000 Frauen, die für den guten Zweck zusammenkommen“. Die Ehefrau des Mietwagen-Unternehmers Erich Sixt erklärte: „Lange Beratungen mit vielen meiner Freundinnen sowie deren Zurückhaltung haben mich letztlich zu meinem Entschluss kommen lassen.“

Politische Aussagen zur Sicherheitslage im Land vermied die Geschäftsfrau, die sich gerne für Völkerverständigung und Integration einsetzt. Dafür erhielt sie als erste deutsche Frau den „Citizen of the World Award“ der zionistischen Frauenorganisation Hadassah und im Jahr 2013 die „Goldene Victoria für Integration“ der Deutschlandstiftung Integration des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger.

Wirt Siegfried Able, in dessen Marstallzelt die Damenwiesn wieder stattgefunden hätte, verbreitet Gelassenheit: „Klar war die Damenwiesn für uns ein schönes Highlight, aber wir haben heute schon wieder jede Menge Anfragen für die freiwerdenden Plätze.“

Die Angst vor islamistischen Anschlägen treibt aber nicht nur den großen Bekanntenkreis von Regine Sixt um, sondern auch viele Traditions- und Trachtenvereine, die ihre Teilnahme am großen Umzug am ersten Wiesn-Sonntag abgesagt haben.

Dazu gehört der Heimat- und Trachtenverein Bernried. Dessen Vorsitzender Hannes Düker bedauert, dass sich aus Terrorangst viel zu wenige seiner 250 Mitglieder für den Umzug in München angemeldet haben. Ebenfalls wegen Sicherheitsbedenken hat die Schwälmer Tanz- und Trachtengruppe aus dem hessischen Loshausen abgesagt.

Am Mittwoch beschließt das zuständige Münchner Stadtratsgremium ein Rucksackverbot, Sicherheitszäune am nordwestlichen Bavariaring und die Einstellung weiterer Ordner.

Im letzten Jahr hielt man noch 250 Ordner für ausreichend, um den Oktoberfest-Besuchern ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Heuer sollen 450 Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Die Kosten von etwa 3,6 Millionen Euro will die Stadt München im nächsten Jahr auf die Standbetreiber umlegen, die die Mehrkosten ganz sicher an ihre Kunden weitergeben werden.

Das 183. Münchner Oktoberfest findet vom 17. September bis zum 3. Oktober 2016 statt.

Artikel bewerten
(19 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten