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Sorge um das „Wohlbefinden“ der Gäste

Wegen Frauenbelästigung: Asylanten von Tölzer Disco abgewiesen

Samstag, 14 November 2015 00:13
Blick auf Bad Tölz und die Isar vom Kalvarienberg Blick auf Bad Tölz und die Isar vom Kalvarienberg Quelle: de.wikipedia.org | Kassandro | CC BY-SA 3.0

Bad Tölz - Aus Sorge um das „Wohlbefinden“ der weiblichen Gäste wurde einer Gruppe von Asylanten der Zutritt zur Diskothek „Brucklyn“ in Bad Tölz verwehrt, wo zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Asylbewerber feierten. Die Einlassverweigerung führte zu der absurden Situation, dass die Türsteher und andere Mitarbeiter von Deutschen als „Nazi-Schweine“ beschimpft wurden. Die Security-Leute mussten kurzzeitig sogar von der Tür abgezogen werden, um eine weitere Eskalation zu verhindern.

Die Inhaber selbst machten den Vorfall in der Leonhardi-Nacht jetzt öffentlich und suchen via Facebook verzweifelt Rat, wie zukünftig mit der immer größeren Zahl von Asylanten im Club umgegangen werden solle. In dem Facebook-Posting stellen die Betreiber klar, dass es für sie nie ein Thema gewesen sei, welche Religion, Herkunft, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung ein Gast habe: „Jeder kommt rein, solange er sich an ein paar einfache soziale Umgangsformen hält, die wir als selbstverständlich voraussetzen.“ Dieser Maxime sei man auch treu geblieben, als Anfang des Jahres die ersten Flüchtlinge in das Traditionshotel „Jodquellenhof“ eingezogen seien. Mit dem starken Anstieg der Asylantenzahlen hat sich die Sicherheitslage innerhalb und außerhalb der Diskothek aber offenbar grundlegend geändert. Gerade Frauen werden nach Schilderung der Club-Besitzer immer häufiger sexuell bedrängt, belästigt und sogar beschimpft.

In dem Facebook-Hilferuf heißt es: „Jedoch haben sich seit der Belegung der Turnhalle mit 150 jungen Männern aus den Kriegsgebieten die Beschwerden von jungen Frauen bei uns massiv gehäuft. Dabei ging es meistens darum, dass die Asylbewerber sie bedrängen, den Mädels auf die Toiletten folgen oder vor der Klotüre auf sie warten. Auch Beschimpfungen als Nutte sind uns schon zu Ohren gekommen. Einer unserer Mitarbeiterinnen wurden 20 Euro für eine Nacht (ficki, ficki) geboten. Dabei ist erkennbar, dass sich die Beschwerden über solche Annäherungsversuche häufen, je mehr Asylanten gleichzeitig im Club sind.“

Der Verlauf eines „Mädelabends“ am 25. Oktober wird so beschrieben: „Gegen halb drei/drei, eigentlich immer die beste und ausgelassenste Stunde bei uns, hatten wir nur noch vier oder fünf Mädels im Club, ungefähr 15 Männer und die doppelte Anzahl an Flüchtlingen. Die Stimmung war eher angespannt. Wir schließen daraus, dass das Wohlbefinden im Club in Zusammenhang steht mit der Anzahl der Asylbewerber, die wir reinlassen.“

Unter der Zwischenüberschrift „Was können wir tun?“ beschreiben die Geschäftsinhaber ihre beruflichen Existenzängste: „Ignorieren wir die Beschwerden unserer weiblichen Gäste, müssen wir damit rechnen, dass viele Stammgäste über kurz oder lang ausbleiben und wir mit Umsatzeinbußen zu rechnen haben. Wir haben monatliche Kosten in Höhe eines fünfstelligen Betrags. Wie lange wir das finanziell verkraften, wissen wir nicht. Wir lassen keine oder nur eine begrenzte Anzahl von Flüchtlinge in den Club. Dadurch könnten sich die Mädels wieder wohler fühlen und auch der Umsatz könnte sich stabilisieren. Jedoch stellt uns das als Betreiber in ein Licht, in dem wir nie gestanden sind und auch nicht stehen wollen (Nazischweine).“

Mittlerweile fand im Tölzer Rathaus ein Krisengespräch statt, in dem Polizei, Stadt, Landratsamt und natürlich die Disco- und Gaststättenbetreiber nach Problemlösungen suchten. Bürgermeister Josef Janker sagte danach: „Wir werden gemeinsam mit der Sozialplanung und dem Landratsamt einen Info-Flyer in mehreren Sprachen herausbringen.“ Darin sollten „unsere Werte, unser Weltbild und unsere Kultur“ erklärt werden. Es solle auch geprüft werden, ob das Kreisjugendamt die besonders problemanfälligen „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge“ ausreichend betreue. Den Wirten empfiehlt der Bürgermeister schlussendlich, konsequent von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. Wer sich nicht benehme, solle rausfliegen. Nicht wenige Tölzer meinen, dass das auch für den Aufenthalt der Asylanten in Deutschland gelten müsse.

Letzte Änderung am Samstag, 14 November 2015 00:32
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