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Landgericht Traunstein sprach Urteil wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung

Wegen des Zugunglücks von Bad Aibling dreieinhalb Jahre Haft für den Fahrdienstleiter

Montag, 05 Dezember 2016 20:15

Traunstein - Schon kurz nach dem schweren Zugunglück in Bad Aibling am 9. Februar 2016 mit 12 Toten und fast 90 Verletzten geriet der zuständige Fahrdienstleiter ins Visier der Ermittler. Nach Angaben des Leitenden Traunsteiner Oberstaatsanwaltes Wolfgang Giese war dessen Fehlverhalten für den Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim verantwortlich.

Gegen den Mann mit langjähriger Berufserfahrung wurde ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) führte das Unglück schnell auf einen zweifachen Fehler des Fahrdienstleiters zurück. Zuerst habe dieser die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben und dann einen fehlgeleiteten Notruf abgesendet. „Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen. Der Fahrdienstleiter hat, als er seinen ersten Irrtum bemerkte, einen ersten Warnfunkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen. Er hat – möglicherweise aus Aufregung – jedoch die falsche Taste gedrückt“, sagte Herrmann. „Der Funkspruch ging an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung. Die haben sich daraufhin bei ihm gemeldet. Daraufhin schickte der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer. Diesmal drückte er die richtige Taste, aber da war es schon zu spät.“

Im April teilten die Behörden mit, dass der Bahnmitarbeiter am 9. Februar durch ein Online-Spiel auf seinem Handy abgelenkt war und es deshalb zum Zusammenstoß der Züge kam.

Zu Prozessbeginn hatte der Angeklagte gestanden, bis kurz vor der Katastrophe das Fantasy-Rollenspiel „Dungeon Hunter 5“ auf seinem Handy gespielt zu haben, obwohl die Vorschriften der Deutschen Bahn die private Nutzung von Smartphones im Dienst verbieten.

Am Montag ist der Fahrdienstleiter vom Landgericht Traunstein wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre Gefängnis beantragt und die Verteidigung eine Bewährungsstrafe favorisiert. In der Urteilsbegründung heißt es, der Fahrdienstleiter habe sich durch die Handy-Spielerei von seinen Pflichten ablenken lassen und sei somit allein für den Unfall verantwortlich.

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