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Rathaus sieht keine Möglichkeit der Überstellung der Asylanten

Würzburg diskutiert über Aufnahme der Asylbewerber aus dem sächsischen Clausnitz

Dienstag, 23 Februar 2016 23:44

Würzburg - Am Montag forderte Burkhard Hose, Würzburger Hochschulpfarrer und Sprecher des Aktionsbündnisses für Zivilcourage, die Stadtverwaltung auf, die in dem erzgebirgischen Dorf Clausnitz einquartierten Asylbewerber nach Würzburg zu überführen. Hose begründete die Forderung mit der angeblich nicht gewährleisteten Sicherheit der Ankömmlinge vor Ort.

Am Donnerstagabend hatten etwa hundert Bürger in dem Ortsteil der Gemeinde Rechenberg-Bienenmühle unter lauten „Wir sind das Volk“-Rufen gegen die Ankunft von 25 Asylbewerbern protestiert und deren Reisebus an der Weiterfahrt gehindert. Um eine Eskalation zu verhindern, holten Polizisten einzelne Asylanten gegen ihren Willen aus dem Bus und brachten sie in die Unterkunft.

Der Chemnitzer Polizeipräsident Uwe Reißmann wies Vorwürfe gegen seine Beamten umgehend zurück: „Um die aufgeheizte Situation nicht zu verschärfen und um keine Verletzten zu riskieren, war es notwendig, die Asylsuchenden schnellstmöglich in ihre Unterkunft zu bringen.“ Die Polizei ermittele nicht nur gegen Demonstranten, sondern auch gegen mehrere Asylanten wegen Beleidigung. Sie hätten im Bus durch Spuckaktionen provoziert und Kopf-ab-Gesten gezeigt.

Nach diesen Vorkommnissen waren Mitglieder des Würzburger Aktionsbündnisses für Zivilcourage nach Clausnitz gefahren, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Burkhard Hose sagte: „Zu der Gruppe gehörte mit Natali Soldo-Bilac ein Mitglied des Sprecherrates unseres Bündnisses. Sie hat das Gremium aus erster Hand informiert. Die Schilderungen geben Anlass zu großer Sorge und machen ein schnelles und unbürokratisches humanitäres Handeln notwendig.“ Natali Soldo-Bilac berichtete: „Wir waren die einzigen, mit denen die Menschen bisher wirklich über die Ereignisse sprechen konnten. Die haben uns um Hilfe angefleht, aus Clausnitz weg zu kommen.“

Deswegen und weil es in Würzburg „in vielfacher Hinsicht gute Bedingungen für eine menschenwürdige Unterbringung und Betreuung der Geflüchteten“ gebe, forderte das Bündnis für Zivilcourage am Montag die Überstellung der Clausnitzer Asylanten.

Die Stadt „kann und darf die Flüchtlinge aus Clausnitz nicht einfach aufnehmen“, teilte das Rathaus fast bedauernd mit. Die Presseabteilung ließ verlautbaren: „Bei allem Verständnis für die Sorge des Bündnisses, muss sich der Appell an den Freistaat Sachsen richten. Dieser, wie auch die betreffende Kommune, sind für die objektive wie auch subjektive Sicherheit der ihnen anvertrauten Flüchtlinge zuständig und in der Pflicht, für eine adäquate Unterbringung zu sorgen. Das Ansinnen wäre im Übrigen bei aller grundsätzlichen Sympathie zwischen den Bundesländern abzustimmen.“ Trotz dieser Klarstellung dürfte die Diskussion in Würzburg weitergehen.

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