×

Warnung

EU e-Privacy Directive

This website uses cookies to manage authentication, navigation, and other functions. By using our website, you agree that we can place these types of cookies on your device.

View Privacy Policy

View e-Privacy Directive Documents

View GDPR Documents

Cookie Name Domain Description
You have declined cookies. This decision can be reversed.

bayern-depesche.de

Freigegeben in Regional

Traditionsbrauerei kooperiert mit „Allianz gegen Rechtsextremismus“

Tucher Bräu: Chef Fred Höfler will kein Bier mehr an "rechte Gäste" ausschenken lassen

Montag, 28 März 2016 00:45

Nürnberg - „Nur wer weiß, wo er herkommt, weiß, wer er ist.“ Mit dieser herkunftsbewussten Aussage wirbt die Tucher Bräu GmbH & Co. KG im Internet für ihre fast 350 Jahre alte Nürnberger Bierkultur. Wer aus seiner nationalen Herkunft jedoch politische Forderungen ableitet, scheint bei dem fränkischen Bierbrauer nicht wohlgelitten zu sein. Tucher Bräu-Geschäftsführer Fred Höfler will sein Bier fortan nicht mehr an „rechtsextreme Gäste“ ausschenken und für diese Boykott-Aktion mehr als 600 Pächter gewinnen.

Hintergrund der Initiative ist eine Wahlparty der AfD, die Mitte März 2016 in der Lederer Kulturbrauerei in Nürnberg stattfand, die von Tucher verpachtet wird. Fred Höfler hätte die Veranstaltung am liebsten unterbunden. Begründung: „Ich hatte Angst um die Gäste und um das Objekt.“ Auch in den sozialen Medien wurde der Wirt der Kulturbrauerei, Karl Krestel, dafür angefeindet, dass er die Rechtskonservativen in seine Gaststätte gelassen hatte. „Ich hätte Karl Krestel geraten, die AfD in der schwierigen Situation nicht reinzulassen“, sagte Brauereichef Höfler. Aber die Verträge des Wirtes mit der AfD seien bedauerlicherweise bereits unterschrieben gewesen. Unmittelbar nach der AfD-Veranstaltung hatte Tucher-Sprecher Kai Eschenbacher noch beteuert: „Wir sind politisch neutral.“

Nun aber will der Tucher-Chef mehr als 600 Wirte in einem offiziellen Schreiben auffordern, die AfD gar nicht mehr in ihre Räumlichkeiten zu lassen. Er hält die AfD zwar für eine „reguläre, gewählte Partei“.  Doch Gäste mit „rechtsextremem Gedankengut“ will er nicht bewirten lassen. Höfler teilte mit: „Wir prüfen jetzt wie viele unserer Pächter größere Räume für Veranstaltungen haben. An die schicken wir die Info-Broschüren der Allianz gegen Rechtsextremismus raus.“

Die „Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg“, die übrigens vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, will mit dieser Broschüre verhindern, dass Wirte ohne ihr Wissen Räume an rechtsgesinnte Personen und Organisationen vermieten. Gewarnt wird beispielsweise vor Pseudo-Reservierungen unter privatem Namen. Auf diese Weise haben laut Höfler auch schon Anhänger des Nürnberger PEGIDA-Ablegers „Nügida“ einen Stammtisch in der Lederer Kulturbrauerei abhalten können.

Der Vorsitzende der Allianz gegen Rechtsextremismus, Stephan Doll, nimmt die Rückendeckung von Tucher Bräu zum Anlass, dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Nürnberg zu große Zurückhaltung im Umgang mit Rechten vorzuwerfen. Doll klagt: „Bei unserer Kampagne gegen Rechts 2012 hat sich der Verband nicht so engagiert, wie wir uns das gewünscht hätten.“ Viele Nürnberger schütteln über die Provinzposse den Kopf und halten es für das gute Recht von Wirtsleuten, ohne äußeren Druck selbst zu entscheiden, wen sie in ihre Gasträume lassen.

Artikel bewerten
(113 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten