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Amtsgericht München hat Haftstrafe und Haftbefehl wegen Verjährung aufgehoben

Türkischer Serientäter „Mehmet“ will nach München zurückkehren

Mittwoch, 09 Dezember 2015 22:57
Gebäude des Amtsgerichts München in der Pacellistr. 5 Gebäude des Amtsgerichts München in der Pacellistr. 5 Quelle: de.wikipedia.org | Okfm | CC BY-SA 3.0

München - Muhlis Ari, genannt „Mehmet“, hatte in den 1990er Jahren vor seinem 14. Lebensjahr bereits mehr als 60 Straftaten verübt und war nach Erreichen der Strafmündigkeit in die Türkei abgeschoben worden. Jetzt plant er seine Rückkehr nach Deutschland.

Mit mehr als 60 Straftaten – darunter Raubüberfälle, Körperverletzungen, Einbrüche, Erpressungen und  Nötigungen – hatte es Muhlis Ari schon vor seinem 14. Lebensjahr zu trauriger Berühmtheit gebracht. Die Lokalpresse nannte ihn „Crime-Kid“ oder den „Schrecken von Neuperlach“. Solange der in Neuperlach wohnende Türke noch nicht strafmündig war, blieben die vielen Straftaten ungesühnt. Mit Vollendung des 14. Lebensjahres änderte sich das, und die Politik statuierte ein Exempel der Abschreckung. „Mehmet“, wie er in der Öffentlichkeit genannt wurde, war zwar in Deutschland geboren und aufgewachsen, besaß aber nur die türkische Staatsangehörigkeit. Als er 1998 einen Jugendlichen krankenhausreif schlug, hob die Stadt München seine Aufenthaltserlaubnis auf und schob ihn ohne seine Eltern in deren Heimatland Türkei ab. Wäre er wie viele andere Türken durch Einbürgerung deutscher Staatsangehöriger gewesen, hätten ihn die Behörden trotz der ganzen Straftaten nicht abschieben können.

Diese Abschiebung wurde vom Bundesverwaltungsgericht im Jahr 2002 aber aufgehoben. Weil „Mehmets“ Eltern seit über 30 Jahren in Deutschland lebten, sei die Ausweisung ihres damals minderjährigen Sohnes nicht rechtens gewesen. Der inzwischen 18-Jährige kehrte dank des Richterspruchs nach München zurück und verhielt sich einige Jahre eher unauffällig. 2005 wurde „Mehmet“ aber rückfällig: Dieses Mal traf es die eigenen Eltern, die er brutal verprügelte und ausraubte. Trotz seiner hochkriminellen Vorgeschichte wurde er zu einer Haftstrafe von nur 18 Monaten verurteilt, der er sich durch Flucht in die Türkei entzog.

Heute – zehn Jahre später – kann Muhlis Ari auf eine Rückkehr nach München hoffen. Die 2005 verhängte Haftstrafe ist nach § 78 Strafgesetzbuch inzwischen verjährt. Überdies hat das Amtsgericht München wegen Verjährung einen Haftbefehl wegen Drogenmissbrauchs aufgehoben. Damit droht „Mehmet“ bei der Einreise nach Deutschland keine Verhaftung mehr. Seine Rückkehrwilligkeit hat er immer wieder öffentlich bekundet. Im Jahr 2013 beantragte der Serientäter sogar eine Aussetzung des damals noch offenen Haftbefehls, um sein Buch „Sie nannten mich Mehmet. Geschichte eines Ghettokindes“ auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen zu können. Vor zwei Jahren wurde der Einreiseantrag noch abgelehnt, heute dürfte „Mehmet“ unbehelligt in Deutschland einreisen.

Dazu fehlt ihm nur noch sein Reisepass. Den hat die türkische Justiz 2013 einbehalten, weil „Mehmet“ Jahr 2012 einen Münchner Bekannten während dessen Türkei-Aufenthalts überfallen und ausgeraubt haben soll. Gegen das erstinstanzliche Urteil einer mehrjährigen Haftstrafe hat der heute 30-Jährige Berufung eingelegt und ist deshalb auf freiem Fuß. „Mehmets“ Anwalt erwartet bei der Berufungsverhandlung einen Freispruch. Dann bekäme Muhlis Ari umgehend seinen Reisepass zurück und dürfte nach Deutschland zurückkehren. Dass er das sofort täte, kann als sicher gelten.

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