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Entrüstung bei Facebook über Namensgebung

Shitstorm gegen Flughafen München GmbH wegen des Namens „Wintermarkt“

Freitag, 27 November 2015 05:29
Flughafen München mit Terminal 1, Terminal 2 und München Airport Center Flughafen München mit Terminal 1, Terminal 2 und München Airport Center Quelle: de.wikipedia.org | Thomas Kniess | CC BY-SA 3.0

München - Kurz vor Weihnachten sieht sich die Geschäftsführung der Flughafen München GmbH (FMG) massiven Internet-Protesten wegen ihres diesjährigen „Wintermarktes“ im Airport Center ausgesetzt. Dieser eröffnete am letzten Wochenende mit 46 Verkaufsständen, einer Eislauffläche und viel Tannenbaum-Schmuck. Die Facebook-Gruppe „Anonymous“ – nicht zu verwechseln mit der bekannten Hacker-Gruppe – hatte den Flughafen-Verantwortlichen „Namensverunstaltung“ vorgeworfen, weil Traditionsnamen wie „Weihnachtsmarkt“ oder „Christkindlmarkt“ scheinbar gezielt vermieden wurden und das Markttreiben nun unter der unhistorisch wirkenden Bezeichnung „Wintermarkt“ stattfindet. In den letzten Jahren waren von muslimischen Interessenvertretern und ihnen nahestehenden Politikern immer wieder Vorstöße unternommen worden, um Veranstaltungsbezeichnungen ohne christlichen Traditionsbezug einzuführen.

Mehr als 15.000 meist kritische Kommentare hinterließen Nutzer der sozialen Medien bis Montagnachmittag auf der Facebook-Seite des Flughafens. Dort hat nun auch die Flughafen München GmbH Stellung genommen und erklärt: „Der alljährliche Markt im München Airport Center wird bereits seit dem Jahr 2006 unter dem Namen Wintermarkt veranstaltet. Der Grund für diese Benennung war seinerzeit, dass die Öffnungszeiten des Marktes im MAC verlängert wurden. So blieben die Stände im MAC in der Saison 2006/2007 erstmals bis zum 7. Januar offen – und damit zwei Wochen länger als die klassischen Weihnachtsmärkte. Mit der neuen Bezeichnung sollte sichergestellt werden, dass der Wintermarkt am Flughafen mit seiner längeren Öffnungsdauer von den Weihnachtsmärkten unterschieden wird.“ Den Vorwurf, aus Gründen der politischen Korrektheit den traditionslosen Namen „Wintermarkt“ eingeführt zu haben, will man also nicht gelten lassen.

Dabei hatte im letzten Jahr auch der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Martin Neumeyer (CSU), genau diesen Verdacht geäußert und deshalb ebenfalls die Bezeichnung „Wintermarkt“ kritisiert. Ohne Not würden im Namen einer falsch verstandenen Toleranz christliche Traditionen geopfert, so Neumeyer vor einem Jahr. Zur Integration gehöre, dass Zuwanderer Werte und Traditionen ihrer Wahlheimat akzeptierten: „Und christliche Traditionen gehören nun einmal zur kulturellen Identität Bayerns.“ Auch dem CSU-Politiker wurde damals seitens der FMG mitgeteilt, dass der „Wintermarkt“ nur wegen seiner längeren Öffnungszeiten so heiße.

Auf den Shitstorm reagierte die Flughafen München GmbH ungehalten und polterte gegen die Internet-Aktivisten, die den Stein des Protestes ins Rollen gebracht hatten. Die Betreiber des Facebook-Account „Anonymous“ hätten eine regelrechte „Kampagne“ gestartet, klagte Flughafen-Sprecher Ingo Anspach. Online-Mitarbeiter der FMG seien tagelang damit beschäftigt gewesen, die „unflätigsten und diskriminierendsten“ Kommentare zu löschen.
Auf der Facebook-Seite „Anonymous“ war die Namenswahl „Wintermarkt“ als Beleg dafür gewertet worden, „wie Deutsche im eigenen Land diskriminiert werden“. Aus dem „traditionellen Christkindlmarkt oder dem Weihnachtsmarkt machte der Flughafen kurzerhand einen Wintermarkt“, kritisierten die Netz-Aktivisten und forderten dazu auf, sich bei der FMG zu beschweren.

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