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Umweltministerium räumt langfristige Umweltschäden durch Kunstschnee ein

Politischer Streit über den Einsatz von Schneekanonen in Allgäuer Skigebieten entbrannt

Freitag, 27 Mai 2016 14:39
Politischer Streit über den Einsatz von Schneekanonen in Allgäuer Skigebieten entbrannt Bildquelle: PIXABAY.COM

Kempten - Die Beliebtheit des Reiselandes Allgäu ist ungebrochen: Fast 707.000 Gästeankünfte in den ersten drei Monaten des Jahres bedeuten eine Zunahme von 13,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Bei den Übernachtungen gab es mit 2,65 Millionen im ersten Quartal sogar ein Plus von fast 14 Prozent.

Angesichts des schneearmen Winters können sich auch Experten den Allgäuer Tourismus-Boom zu dieser Jahreszeit nicht so ganz erklären. Womöglich spielt Schneereichtum für Besucher der Region eine geringere Rolle als landläufig angenommen.

Vor diesem Hintergrund ist ein politischer Streit über den Einsatz von Schneekanonen im Allgäu und dessen Umweltfolgen entbrannt.

In einer Antwort auf eine Anfrage der Landtags-SPD räumte das Umweltministerium ein, dass der Einsatz von Beschneiungsanlagen die Natur in den Alpen nachhaltig schädige. Mehr als die Schneekanonen selbst sorgten aber die damit verbundenen Baumaßnahmen für Umweltschäden. 

Das Ministerium von Ulrike Scharf (CSU) erklärte: „Bei der Verlegung von Wasser-, Druckluft- und Stromleitungen werden schwere Maschinen eingesetzt, und gerade in höheren Lagen kann es viele Jahrzehnte dauern, bis sich Humusschicht, Bodenleben sowie Pflanzen- und Tierwelt von den Eingriffen erholen können.“ Ein Kunstschnee-Einsatz würde vor allem ab einer Meereshöhe von 1.400 Metern die örtliche Pflanzenwelt schädigen und die Planierung von Pisten zudem das Risiko von Erdrutschen erhöhen. 

Die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen erneuerten deshalb ihre Kritik an der staatlichen Förderung von Schneekanonen. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn verlangte eine strengere Genehmigungspraxis für Schneekanonen, und Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann übte grundsätzliche Kritik an der künstlichen Beschneiung. Er sagte: „Der hemmungslose Ausbau der bayerischen Skigebiete mit umweltschädlicher Beschneiungstechnik ist verantwortungslos.“

Bayernweit ist derzeit die Kunstschnee-Verwendung auf einer Fläche von 946 Hektar möglich. Während in Oberbayern 438 Hektar Skipiste beschneit werden können, sind es im Allgäu 340 Hektar.

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