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Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Nürnberg veröffentlicht Pläne zur Sanierung des Zeppelinfelds

Donnerstag, 16 April 2015 14:54
Modell des Reichsparteitagsgeländes bei der Weltfachausstellung Paris 1937 Modell des Reichsparteitagsgeländes bei der Weltfachausstellung Paris 1937 Quelle: de.wikipedia.org | Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2008-0118-501 | CC BY-SA 3.0 de

Nürnberg - Die Stadt Nürnberg will das marode Zeppelinfeld des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg sanieren. Mit Hilfe zweier Musterflächen soll geklärt werden, auf welche Höhe sich die Kosten für die Instandsetzung belaufen werden.

Um einen dauerhaften Zerfall des gigantischen Zeppelinfeldes, es misst mehr als zwölf Fussballfelder, zu verhindern, müssten die Bauarbeiten bald beginnen, erklärte Baureferent Daniel Ulrich (parteilos). „Sonst haben wir hier irgendwann nur noch einen Schutthaufen.“

Gemeinsam mit der Kulturreferentin der Stadt Nürnberg, Julia Lehner (CSU) stellte Ulrich am Montag die beiden Musterflächen vor, an denen zunächst festgestellt werden solle, welche Maßnahmen der Sanierung notwendig werden und anhand derer vor allem eine Schätzung der anfallenden Kosten vorgenommen werden soll. Sie befinden sich zum einen an der Tribüne und zum anderen an einem Abschnitt an der davorliegenden Wallanlage. Als vor sechs Jahren zuletzt eine Schätzung vorgenommen worden war, beliefen sich die veranschlagten Kosten für die Instandsetzung auf sechzig bis 75 Millionen Euro.

Die Stadt möchte das Gelände, auf dem zur Zeit Schilder vor dem maroden Zustand warnen und Gitter und Fangnetze herabstürzende Steine abfangen sollen, als einen „authentischen Lernort“ unseres „nationalen Erbes“ erhalten. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) ist sich sicher, dass die baulichen Relikte des Zeppelinfeldes deutlich machen könnte, wie sich das NS-Regime in Szene setzte.

Eine Besuchermagnet ist die Stätte schon jetzt: Bis zu 150.000 Menschen besuchen jährlich das Gelände, auch wenn nicht mehr viel von der ursprünglichen Tribüne aus Beton, Ziegelmauerwerk und Muschelkalk erhalten ist. Nach der Entfernung des Hakenkreuzes 1945 durch die Amerikaner liess die Stadt 1967 die Pfeilergalerie wegen Baufälligkeit abreißen. Wenig später wurden auch die Seitentürme gekappt.

Ursprünglich von Architekt Albert Speer als Teil des Reichsparteitagsgeländes für Massenkundgebungen entworfen, sollte die Anlage die Zeiten überdauern. „Die Verwendung besonderer Materialien sowie die Berücksichtigung besonderer statischer Überlegungen sollten Bauten ermöglichen, die im Verfallszustand, nach Hunderten oder (so rechneten wir) Tausenden von Jahren etwa den römischen Vorbildern gleichen würden“, schrieb der Architekt.

Nun soll zumindest der Jetzt-Zustand gesichert werden. Der Bund suggerierte bereits seine Bereitschaft das Sanierungsprojekt zu unterstützen. Authentischen Orten wie dem Zeppelinfeld käme „eine wesentliche Funktion für die Geschichtskultur in Deutschland zu“, heißt es.

Gegner der Restaurierung, wie etwa der Jenaer Geschichtsprofessor Norbert Frei oder der Vorsitzende des Nürnberger Baukunstbeirats, Willi Egli, fordern hingegen den „kontrollierten Verfall“ des Geländes.

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