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Wirtschaftsverbände fürchten um gute Geschäfte mit strengreligiösen Muslimas

Münchner Wirtschaft hält Burka-Verbot für geschäftsschädigend

Montag, 07 Dezember 2015 21:14
Burka Burka Quelle: PIXABAY.COM

München - Nach den Vorstellungen von Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) soll Deutschland dem Beispiel Frankreichs folgen und das Tragen eines muslimischen Vollschleiers in der Öffentlichkeit untersagen. Aigner hatte vor wenigen Tagen gesagt: „Es passt nicht in unsere Kultur, sich zu verbergen – und es widerspricht unserer Vorstellung von einer Gleichstellung der Frau.“ Ein entsprechendes Gesetz solle schnell vom Bundestag verabschiedet werden. Nach den Vorstellungen der stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidentin soll das Verbot von Burkas oder Nikabs für alle Frauen gelten, egal, warum und für welchen Zeitraum sie sich in Deutschland aufhalten.

Von diesem Verbot der Gesichtsverschleierung wären dann auch arabische Touristinnen betroffen. Für Aigner ist die Anpassung an das Gastland eine Selbstverständlichkeit: „Als ich in den Iran gereist bin, habe ich die Gebote des Landes befolgt und ein Kopftuch getragen. Ebenso erwarte ich von Frauen aus dem arabischen Raum, dass sie hierzulande auf die Vollverschleierung verzichten.“

Obwohl die Forderung nach einem Burka-Verbot nur symbolpolitischer Natur ist und selbst ein wirkliches Verbot an der fortschreitenden Islamisierung – verstärkt durch Hunderttausende asylsuchende Muslime – nichts ändern würde, wurde sofort massive Kritik laut. Nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ aus der Politik meldeten sich ablehnend zu Wort, sondern auch die Wirtschaftsverbände. Sie fürchten Einbußen für Handel und Tourismus in München, wenn sich arabische Touristinnen nicht mehr vollverschleiern dürfen.

So bezeichnete der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, den Vorstoß Aigners für ein Burka-Verbot als „imagemäßigen Schuss ins Bein“ und sagte weiter: „Aus Marketing- und Imagegründen war das ein Eigentor. Das passt nicht zu einem weltoffenen Land wie Deutschland.“ Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, assistierte mit der Bemerkung: „Ein Burka-Verbot würde sich negativ auf Teilbereiche der Wirtschaft, insbesondere Handel und Tourismus, auswirken.“ Auch Claudia Schlebach von der Industrie- und Handelskammer (IHK) München beteuerte: „Das war keine Initiative seitens der Wirtschaft. Wir tun alles, damit die arabischen Gäste zu uns kommen. Handel und Tourismus haben erkannt, wie viel Potenzial im arabischen Raum liegt.“

Gäste aus dem arabischen Raum sollen mittlerweile die drittgrößte Besuchergruppe in der bayerischen Landeshauptstadt stellen. Laut einer Studie geben arabische Touristen mehr als 40 Prozent ihres Geldes während des Deutschland-Aufenthalts allein in München aus.

Schon auf ihrem Parteitag im November hatte sich die CSU für ein Verbot der Vollverschleierung in Deutschland stark gemacht. Der Parteitag stimmte für zwei Anträge, die das Tragen von Burka und Nikab in der Öffentlichkeit untersagen sollen. Der CSU-Landesgruppe im Bundestag wurde aufgetragen, sich für eine entsprechende Gesetzesänderung einzusetzen.

Spätestens nach der massiven Kritik der Wirtschaftsverbände dürfte die CSU ihre Verbotspläne wieder beerdigen. Politik und Wirtschaft waren schließlich stets um gute Geschäftsbeziehungen zu Saudi-Arabien, Katar oder Bahrain bemüht, obwohl diese strengreligiösen Ölstaaten vielerorts radikale Islamisten unterstützen. Warum sollten also Touristinnen aus genau diesen Staaten beim Luxus-Einkauf in München plötzlich mit einem Burka-Verbot verärgert werden?

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