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Kapitulation vor Asylantenstrom

München - Stadtrat Marian Offman (CSU) will Asylanten im Schloss Nymphenburg unterbringen

Montag, 10 August 2015 17:36
Schloß Nymphenburg Schloß Nymphenburg Quelle: de.wikipedia.org | Richard Bartz, Munich aka Makro Freak | CC BY-SA 2.5

München - Neben dem „Märchenschloss“ Neuschwanstein in Schwangau zählt die Schloss- und Parkanlage von Nymphenburg zu den größten Touristenattraktionen Bayerns; 300.000 Besucher lockt das barocke Juwel jedes Jahr an. Schloss Nymphenburg – gelegen im westlichen Münchner Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg – wurde 1679 in seiner ersten Form als Sommerresidenz der bayerischen Kurfürsten fertiggestellt. Später war es die Lieblingsresidenz der bayerischen Könige und der Geburtsort Königs Ludwig II. von Bayern.

Ausgerechnet in diesem architektonischen Schmuckstück und an diesem jahrhundertealten Ort bayerischen Hoflebens sollen nun Asylanten einquartiert werden, wie der Münchner CSU-Stadtrat Marian Offman fordert. Laut der „Süddeutschen Zeitung“ weist Offman in einer Stadtratsanfrage an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) darauf hin, dass ein Trakt im Nordteil des Barockschlosses leer steht. Da die Unterbringung von Asylbewerbern aufgrund des Massenzustroms „außerordentlich problematisch“ sei und Neuankömmlinge auch in München in Zelten untergebracht werden müssten, solle jeder freie Raum auf seine Eignung als Unterbringung überprüft werden. „Aus den Kriegsgebieten kommen viele alleinstehende Frauen mit Kindern. Wegen der nahe gelegenen Schulen würden sich die Räume an der Maria-Ward-Straße für diese Familien besonders eignen“, meint der CSU-Politiker.

Offman denkt da vor allem an die Grundschule in der Maria-Ward-Straße 1, die im Nordflügel von Schloss Nymphenburg direkt am Schlossrondell untergebracht ist. Den grünen Innenhof teilt sich die Schule mit dem Museum „Mensch und Natur“. Mit dieser exklusiven Lage und dem noblen Gebäude-Ensemble gehört die Grundschule in der Maria-Ward-Straße mit ihren bisher 205 Kindern in acht Klassen zu den schönsten Grundschulen der bayerischen Landeshauptstadt. Trotzdem – oder gerade deswegen – will CSU-Stadtrat Marian Offman dort auch Asylantenkinder unterbringen. Der Stadtrat verlangt von Oberbürgermeister Reiter nun Klarheit über das Nutzungskonzept für den leerstehenden Schlosstrakt und ob man die Räume nicht als Asylanten-Unterkunft nutzen könne.

Der Vorschlag wird von der Münchner Lokalpresse positiv aufgenommen und als „ungewöhnliche Idee“ gewürdigt. Mit provokativen Ideen hält Offman, der auch Vorstandsmitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) ist, die Münchner Kommunalpolitik und auch seine eigene Partei, die CSU, seit Langem in Atem. Den abenteuerlichen Plan, Asylbewerber im bayerischen Königsschloss residieren zu lassen, hat Offman aber nur von Wolfram Kastner vom Kunstprojekt „Flüchtlinge Herein“ übernommen. Dieser will auf den mehreren tausend Quadratmetern Wohnfläche sogenannte „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ aus Syrien und dem Irak unterbringen. „Es ist ein Skandal, dass bei dem akuten Raumbedarf diese Räume leer stehen“, so Kastner in einem forschen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). Zuletzt war in dem Seitenflügel, der der staatlichen Schlösser- und Seenverwaltung gehört, das Institut für Mikrobiologie der Universität München untergebracht.

Angesichts der explodierenden Asylantenzahlen kommt bald womöglich der erste Lokalpolitiker auf die Idee, auch noch ein Festzelt auf dem Oktoberfest für Asylbewerber zur Verfügung zu stellen.

Letzte Änderung am Montag, 10 August 2015 18:30
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