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Kampfansage an die Vermüllung des Isarufers

München: CSU-Stadträte fordern neuen Ordnungsdienst

Samstag, 08 August 2015 15:07
Isarufer in München Isarufer in München Quelle: PIXABAY.COM

München - Das Isarufer ist neben dem Englischen Garten das beliebteste Erholungsgebiet der Münchner vor der eigenen Haustür. Regelrechten Kultstatus hat der Flaucher mit seinen Inseln inmitten der Isar und den kiesigen Flussufern, wo man sich sonnt, ein gutes Buch liest, mit der Familie grillt oder mit Freunden feiert. Genau das lässt den Flaucher aber auch zur innerstädtischen Verschmutzungszone werden. Das Problem sind nicht nur liegengelassene Flaschen und Plastikverpackungen, sondern auch nicht richtig gelöschte Feuer und eine starke Rauchentwicklung durch die vielen Grillaktivitäten. Oft wird auch „wild“ abseits der ausgewiesenen Flächen gegrillt. Hinzu kommt eine hohe Lärmbelästigung durch Partyvolk, das den Flaucher mitunter bis in die Nacht mit Musik beschallt.

Die Mitarbeiter der Stadtreinigung sind auf dem mehrere Kilometer langen Streifen des Isarufers mittlerweile im Dauereinsatz, um die Verwandlung dieser schönen Naturräume in eine Müllhalde zu verhindern. Die Isarauen sind schließlich ein Landschaftsschutzgebiet. Nach SPD-Angaben liegen die städtischen Reinigungskosten bei Grillwetter an jedem Wochenende bei etwa 10.000 Euro. Im Sommer 2014 mussten im Isarbereich rund 150 Tonnen Müll eingesammelt und entsorgt werden.

Weil immer mehr Anwohner Alarm schlagen und die Bezirksausschüsse reihenweise Eingaben zur Eindämmung der Müll-Plage machen, beschäftigt das Problem auch intensiv den Münchner Stadtrat. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) droht den Verschmutzern: „Wenn ihr euch nicht benehmen könnt, dann räumen wir halt auch nicht mehr auf.“ SPD und Grüne in München haben schon vor Längerem eine Art Erinnerungspatrouille vorgeschlagen, die die Picknicker und Feiernden freundlich an die Einhaltung der Sauberkeitsregeln erinnern soll. Nach Angaben des Münchner Baureferats sind an Wochenenden an der Isar bis zu 12 Personen im Einsatz, um eine vernünftige Müllentsorgung anzumahnen.

Die CSU-Fraktion im Stadtrat will es bei solchen unverbindlichen Ermahnungen nicht belassen, sondern setzt auf einen kommunalen Ordnungsdienst, der auch das Recht zum Knöllchen-Verteilen haben soll. So können auch Müll-Vergehen geahndet werden, die der Polizei als zu geringfügig erscheinen. Die CSU verweist darauf, dass solche Ordnungsdienste zum Schutz städtischer Grünanlagen in vielen Großstädten längst existieren. Wie Leserbrief-Reaktionen zeigen, unterstützen viele Münchner solche Forderungen. Gerade weil die meisten von ihnen respektvoll mit ihren Naturkleinoden umgehen, erregen die Müll-Rabauken am Isarstrand und im Englischen Gartens so viel Unmut.

Die SPD-Fraktion im Münchner Stadtrat sieht weitergehende Lösungsansätze offenbar weniger bei den eigentlichen Müll-Verursachern, sondern hat die Krähen als Hauptproblem ausgemacht. Weil diese auf Nahrungssuche ganze Mülleimer durchwühlen und deren Inhalt dann im Freien verteilen, fordert die SPD nun krähensichere Mülleimer. SPD-Stadträtin Bettina Messinger macht sich überdies für sogenannte Bodenaschenbecher stark, deren in den Asphalt eingelassene Gitter die Kippen auf dem Boden auffangen, wo sie in der Regel landen. In Nürnberg gibt es diese teuren Bodenaschenbecher bereits. Für das Isarufer taugen sie wohl kaum.

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