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Bis zu 15 Jahre Haft und Sicherheitsverwahrung möglich

Kinderarzt gesteht vor Augsburger Landgericht 21-fachen Kindesmissbrauch

Mittwoch, 25 November 2015 21:53
Kindesmissbrauch - Bis zu 15 Jahre Haft und Sicherheitsverwahrung möglich Kindesmissbrauch - Bis zu 15 Jahre Haft und Sicherheitsverwahrung möglich Quelle: PIXABAY.COM

Augsburg - Am Montag fand vor dem Augsburger Landgericht der erste Prozesstag gegen einen Kinderarzt statt, der unumwunden den sexuellen Missbrauch von 21 Jungen zugegeben hat. Der 40-Jährige erklärte vor Gericht, durch Gespräche in der Untersuchungshaft zu der Überzeugung gelangt zu sein, die ihm vorgeworfenen Straftaten einräumen zu müssen: „Ich stehe dazu, dass ich den Opfern und ihren Angehörigen durch meine Taten schlimmen Schaden und großes Leid zugefügt habe.“ Sein Geständnis solle allen Beteiligten „die Möglichkeit geben, die Taten zu verarbeiten“. Dieses Schuldeingeständnis dürften ihm eher seine beiden Anwälte nahegelegt haben, nachdem die Staatsanwältin zuvor zwei Stunden lang die Anklageschrift verlesen und erdrückendes Beweismaterial zum 21-fachen Kindesmissbrauch vorgelegt hatte. Der Mann, der schon als Kinderarzt im Augsburger Klinikum, im Klinikum der TU München und zuletzt an der Medizinischen Hochschule Hannover gearbeitet hat, lockte die fünf bis elf Jahre alten Jungen meist in Tiefgaragen und Keller und verging sich dann brutal an ihnen.

Festgenommen wurde der Kinderschänder im Oktober 2014, nachdem er im niedersächsischen Garbsen einen kleinen Jungen entführt und missbraucht hatte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft lockte der Augsburger den Fünfjährigen in sein Auto, betäubte ihn in einer Hannoveraner Wohnung und misshandelte das Kind schwer. Bei ihren Ermittlungen stieß die Kriminalpolizei auf weitere, bis ins Jahr 1998 zurückgehende Missbrauchsfälle, die dem Mann nachgewiesen werden konnten. Mehrfach wurden die Kinder von ihrem Peiniger auch noch fotografiert und die Bilder auf seinem Computer abgespeichert, damit er sich immer wieder daran ergötzen konnte.

Selbst an den Söhnen von Freundinnen und Arbeitskolleginnen verging sich der Mann. Zudem hat er laut Anklage seine Tätigkeit als Chefarzt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und Vorstandsmitglied im BRK-Kreisverband Augsburg ausgenutzt, um Kinder zu missbrauchen. In dieser Eigenschaft soll er ohne Wissen des BRK, aber mit dessen Logo im Briefkopf Grundschulen angeschrieben und Kindern aus sozial schwachen Elternhäusern kostenlose Ausflüge angeboten haben. Drei solcher Ausflüge hatte er organisiert und sich auch dabei an Kindern vergangen.

Dem Mann drohen für den wiederholten schweren Kindesmissbrauch bis zu 15 Jahre Haft. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft kommt nach der Haftverbüßung auch eine Sicherungsverwahrung in Betracht. Seine Approbation hat der Täter bereits abgegeben. Das Landgericht Augsburg hat für den Prozess 30 Verhandlungstage bis März angesetzt; nach dem umfassenden Geständnis des Kinderschänders wird mit einem vorzeitigen Urteil gerechnet.

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