Diese Seite drucken
Freigegeben in Regional

Münchner müssen fast 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnraum ausgeben

Ifo-Institut macht fehlende Hochhäuser für Mietpreis-Explosion in München mitverantwortlich

Mittwoch, 14 September 2016 01:14
Hofbräuhaus in München Hofbräuhaus in München Quelle: BAYERN DEPESCHE

München - In allen deutschen Großstädten steigen die Mieten seit Jahren scheinbar unaufhörlich auf Rekordhöhen. Besonders rar ist bezahlbarer Wohnraum in der bayerischen Landeshauptstadt.

Wie das Ifo-Institut in seinem aktuellen „Ifo-Schnelldienst“ mitteilt, sind die Mieten in München bei hochwertigen Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen in den letzten fünf Jahren außergewöhnlich stark gestiegen. In dieser Wohnungssparte betrug der Preisanstieg 15 bis 22 Prozent. In den Jahren 2011/12 lag der Quadratmeterpreis noch bei 16,30 Euro, aktuell liegt er zwischen 18,75 Euro und 19,89 Euro.

Bewohner Münchens müssen mit fast 30 Prozent ihres Einkommens mehr Geld für Wohnraum ausgeben als Mieter in anderen Großstädten wie etwa Hamburg oder Köln.

Nach Berechnungen des Immobilienunternehmens JLL zahlt man in München für eine neu angemietete Wohnung derzeit im Durchschnitt 16,90 Euro pro Quadratmeter – Tendenz weiter steigend. In München, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und Stuttgart lag der Preisanstieg in der ersten Jahreshälfte 2016 gegenüber dem Vorjahr zusammengenommen bei sechs Prozent.

An dieser Entwicklung hat auch die von der Bundesregierung eingeführte und mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte „Mietpreisbremse“ nichts geändert.

Das Ifo-Institut hat in einer neuen Studie das Fehlen von Hochhäusern als Mitgrund für die Mietpreis-Explosion in München genannt. Weil die Stadt seit Langem den Bau hoher Gebäude untersage, komme es zu „weiten Pendlerwegen“ und zur „Verdrängung von Haushalten mit niedrigen und mittleren Einkommen aus der Stadt“, heißt es in der Untersuchung.

„Die romantische Vorliebe für Städtebilder aus vergangenen Jahrhunderten ist teuer erkauft“, erklärt das Ifo-Institut und stellt fest, dass es in Großstädten schwer sei, günstiges Bauland zu finden: „Das treibt die Kosten nach oben, weshalb seitens der Bauträger hohe Mieten einkalkuliert werden müssen.“

Trotzdem mahnen die Ifo-Wissenschaftler, „eine Lockerung baulicher Vorschriften“ nur mit Augenmaß umzusetzen. Käme es zu einem unüberlegten Abbau von Bauvorschriften, könnten Wohngebiete zweiter Klasse entstehen und damit Zustände wie in französischen Vorstädten drohen.

Letzte Änderung am Mittwoch, 14 September 2016 01:21
Artikel bewerten
(22 Stimmen)
Schlagwörter:

Ähnliche Artikel

Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten