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Bürgerinitiative „Henneberg-Itzgrund-Franken e.V.“ macht mobil

Franken aus Südthüringen wollen Bayern angegliedert werden

Samstag, 03 Oktober 2015 04:28
Der Fränkische Rechen – Symbol für ganz Franken und Teil des großen Bayerischen Staatswappens. Der Fränkische Rechen – Symbol für ganz Franken und Teil des großen Bayerischen Staatswappens.

Frankenblick/Seltendorf - Eine pro-fränkische Initiative in Südthüringen wirbelt momentan die Politik an der thüringisch-fränkischen Landesgrenze auf. Genau diese Grenzziehung zwischen den Freistaaten Bayern und Thüringen wird von der Bürgerinitiative „Henneberg-Itzgrund-Franken e.V.“ mit Sitz in der Gemeinde Frankenblick im Landkreis Sonneberg entschieden abgelehnt. Die Franken aus Südthüringen wollen ihren Landstrich an den Freistaat Bayern angliedern und setzen mit dieser Forderung auch die rot-rot-grüne Landesregierung in Erfurt unter Druck.

Auf der Webseite der Initiative heißt es: „‚Südthüringen‘ ist ein Teil Frankens? Ja, so ist es! Der Rennsteig ist, gelegen auf dem Kamm des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges, die historische und nach wie vor aktuelle ethnisch-kulturelle Grenze zwischen Franken und Thüringen-Obersachsen. Sehr lange gehörte unsere Region auch politisch zu Franken. Wirtschaftliche und zwischenmenschliche Beziehungen waren und sind hauptsächlich nach Süden und Westen ausgerichtet.“ Den Begriff „Südthüringen“ will man gar nicht gelten lassen: „Letztendlich beschreibt der Begriff ‚Südthüringen‘ lediglich die erst seit 1920 für Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg und erst seit 1947 für Schmalkalden, Suhl und Schleusingen gegebene politische Zugehörigkeit zu Thüringen. Alles andere an unserer Region, insbesondere Bevölkerung und Kultur, war und ist seit mehr als 1.000 Jahren durchweg und eindeutig fränkisch! ‚Südthüringen‘ müßte also eigentlich Nordfranken heißen! In den 1990er Jahren verwendete man auch die Bezeichnung Berg-Franken. Henneberg-Franken ist die historisch korrekte Bezeichnung für unsere Region, welche das Henneberger Land und den Norden des historischen Coburger Landes umfasst.“

Martin Truckenbrodt, der Vorsitzende des Vereins „Henneberg-Itzgrund-Franken“, beklagt die Leugnung fränkischer Tradition und Geschichte  in Thüringen: „Fränkische Geschichte wird nicht gelehrt und bei jeder Gelegenheit verschwiegen.“ Mit „fragwürdigen Namensgebungen“ würden Landespolitiker die Erinnerung an das Frankentum in Südthüringen auszulöschen versuchen oder sie trauten sich einfach nicht, die Begriffe „Franken“ und „fränkisch“ im Zusammenhang mit ihrer Heimat in den Mund zu nehmen. „Damit muss endlich Schluss sein.“ Für historisch und mundartlich fränkisch hält Martin Truckenbrodt ein Fünftel der Fläche und ein Sechstel der Bevölkerung des Freistaates Thüringen und sagt: „Nicht nur Sonneberg ist im heutigen Freistaat Thüringen fränkisch.“

Mit einem Offenen Brief hat sich der zwei Jahre alte Verein am 24.9.2015 an den Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) und einzelne Landesminister gewandt. Dort heißt es: „Rot-Rot-Grün hat die 24 Jahre vorausgehender CDU-dominierter Landespolitik nicht zu verantworten. Unsere diesbezüglichen Hoffnungen in die neue Landesregierung wurden jedoch bisher nicht erfüllt. Wir gehen deshalb nun in die Offensive.“ Das Schreiben enthält 13 konkrete Forderungen, die bis Ende August 2016 umgesetzt werden sollen. Die Drohkulisse für den Verweigerungsfall steht bereits: Sollte die linke Landesregierung nicht auf die Forderungen der Initiative eingehen, werde man in einem Jahr „auf der Sonnenseite des Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirges“ mit dem Sammeln von Unterschriften für einen Wechsel der Region zum Freistaat Bayern beginnen, so Truckenbrodt.

Die Nachrichtenlage scheint dem Verein „Henneberg-Itzgrund-Franken“ in die Hände zu spielen. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtete, plant die Landesregierung eine Gebietsreform, bei der südlich des Rennsteigs zwei neue Landkreise entstehen sollen. Dafür könnten Suhl, Hildburghausen und Sonneberg fusionieren. Der Wartburgkreis würde nach diesen Überlegungen zerschlagen. Für den Fall hatten die Landräte der Kreise Sonneberg und Hildburghausen gegenüber dem MDR einen Wechsel nach Bayern ins Gespräch gebracht. In beiden Landkreisen redeten die Menschen fränkisch und hätten starke Verbindungen nach Oberfranken.

Letzte Änderung am Samstag, 03 Oktober 2015 04:32
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