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Behörden ermitteln wegen Volksverhetzung

Faschingsumzug: Aufregung um Panzerwagen mit Aufschrift „Ilmtaler Asylabwehr“

Montag, 08 Februar 2016 20:18
Bildschirmfoto vom 08.02.2016 um 20.34 Uhr Bildschirmfoto vom 08.02.2016 um 20.34 Uhr Quelle: https://www.facebook.com/flosimbeck/ | Florian Simbeck | facebook

Steinkirchen - Die deutsche Asyl-Krise hat auch den oberbayerischen Fasching erreicht. Am Sonntagnachmittag fand in Steinkirchen bei Pfaffenhofen das bunte Treiben mit etwa 500 Karnevalisten und vielen Motivwagen statt. Gegen die Gestalter eines Umzugswagens ermitteln jetzt die Behörden wegen des Anfangsverdachts der Volksverhetzung. Stein des Anstoßes ist ein als Wehrmachtspanzer dekorierter Wagen mit schwarzem Balkenkreuz und den Aufschriften „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“. Angehalten wurde der Wagen von der Polizei nicht, weil bei Faschingsumzügen in besonderem Maße die Kunstfreiheit gelte, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Polizei machte aber Fotos, die der Staatsanwaltschaft Ingolstadt für weitere Ermittlungen übergeben wurden.

Publik machte die Teilnahme des Karnevalspanzers der Schauspieler Florian Simbeck, der manchen durch die „Erkan und Stefan“-Filme bekannt ist. Simbeck, der auch SPD-Vertreter im Kreistag von Pfaffenhofen an der Ilm ist, veröffentlichte Fotos des Wagens auf seiner Facebook-Seite und kommentierte diese mit den Worten: „Der lustige Faschingswurm schlängelt sich wieder durch unser Ilmtal und offenbart die Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung einiger Beteiligter.“ Simbeck beobachtete, dass viele Leute dem „Ilmtaler Asylabwehr“-Panzer zujubelten und schrieb auf Facebook konsterniert: „Die Leute jubeln und applaudieren. Man hat sich längst davon verabschiedet, nur zuzusehen, man begrüßt es sogar.“

Der Oberilmtaler Carnevalsverein (OCV) Steinkirchen stellte klar, dass es unter seinen Mitgliedern keine rechtsradikalen Tendenzen gebe. Der OCV-Vorsitzende Tobias Winkelmeier sagte: „Unser Verein ist weder rechtsradikal noch sonst was. Die Polizei hat den Wagen vorher abgenommen und gesagt, da sei nichts rechtsradikal.“ Nach Medienberichten hatte Winkelmeier während des Umzugs auch „unsere neuen Freunde“ „herzlich willkommen“ geheißen und damit jene Asylbewerber gemeint, die beim Umzug mitliefen.

Reinhard Heinrich, Bürgermeister der Gemeinde Reichertshausen, zu der Steinkirchen gehört, will die Ermittlungen abwarten. Der CSU-Politiker sagte, wenn die Botschaft auf dem Panzerwagen keine Satire, sondern tatsächlich Volksverhetzung sei, finde er das „dümmlich, bedenklich und gefährlich“. Das Ganze habe auch deshalb „eine völlig falsche Dimension“, weil die Gemeinde demnächst 76 Asylbewerber aufnehme. Heinrich lobte die „Willkommenskultur“ in seiner Gemeinde: „Wir haben einen großen Helferkreis und wir alle wollen Willkommenskultur leben. Es ist schade, dass jetzt alles auf diesen Panzer runtergebrochen wird.“

Auch zwei der Panzergestalter meldeten sich inzwischen zu Wort. Mit Blick auf die immer weiter steigenden Asylantenzahlen sagte einer: „Wir können das so nicht schaffen.“ Ein anderer sagte: „Ich will nicht, dass wir uns hier in Deutschland verändern müssen.“

Letzte Änderung am Montag, 08 Februar 2016 20:43
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