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Im Klosterinternat Ettal gab es jahrzehntelang sexuellen Missbrauch

Ettal: Früherer Religionslehrer und Mönch muss wegen wiederholten Kindesmissbrauchs ins Gefängnis

Donnerstag, 11 August 2016 19:00
Klosterinternat Ettal Klosterinternat Ettal Quelle: Screenshot http://abtei.kloster-ettal.de/schule-internat/ vom 11.08.2016

Ettal - Das Münchner Landgericht hat am Mittwoch einen ehemaligen Religionslehrer und Mönch des Benediktinerklosters Ettal wegen wiederholten schweren Kindesmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt. In die Gesamtstrafe floss eine frühere Verurteilung ebenfalls wegen Missbrauchs von Klosterschülern ein.

Erst im letzten Jahr war der Mann, der mittlerweile aus dem Kloster ausgeschlossen wurde, wegen sexueller Übergriffe auf drei Schüler zu 22 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ein Missbrauchsopfer schilderte in diesem Prozess die Intensität der sexuellen Handlungen, die zu einer neuen Anklage der Staatsanwaltschaft führten. Nach weiteren Ermittlungen wurde der 46-Jährige im April 2016 verhaftet.

Im neuen Prozess vor dem Landgericht München gestand der Angeklagte, in den Jahren 2004 und 2005 einen damals 13-jährigen Klosterschüler auch in Form von Oralverkehr missbraucht zu haben.

Dafür forderte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von neun Jahren. Die Verteidigung machte hingegen eine Strafe für „minder schweren Kindesmissbrauch“ geltend. Das Gericht rechnete dem Angeklagten sein Geständnis an und blieb mit dem verhängten Strafmaß von sieben Jahren unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Nach Beschwerden über den Umgang des Benediktinermönchs mit seinen Schülern war seine Tätigkeit als Präfekt und Religionslehrer beendet worden. Inzwischen wurde er vom Vatikan des Priesteramtes enthoben und aus der Klostergemeinschaft ausgeschlossen.

Seit Jahren ist bekannt, dass es im Klosterinternat Ettal im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen jahrzehntelang sexuellen Missbrauch und seelische Misshandlungen durch Ordensgeistliche gab.

2013 veröffentlichte das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München (IPP) einen 160-seitigen Bericht zu den Missbrauchsfällen. Demnach kam es in Ettal über einen Zeitraum von mindestens drei Jahrzehnten zu körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt. Die Forscher des IPP dokumentierten vor allem in den 1960er-, 70er- und 80er-Jahren mindestens 30 Fälle sexuellen Missbrauchs, 24 Eingriffe in die Intimsphäre und über 100 Misshandlungen.

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