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Meisterfälscher

Ehemaliger Kunstfälscher eröffnet erste Ausstellung

Montag, 11 Mai 2015 16:42
Bildschirmfoto vom 11.05.2015 der Webseite von Wolfgang Beltracchi Bildschirmfoto vom 11.05.2015 der Webseite von Wolfgang Beltracchi Quelle: www.beltracchi-art.com

München - Fünf Jahre saß Wolfgang Beltracchi in Haft, weil er rund dreihundert Kunstwerke großer Künstler, unter anderem von Monet, Picasso, Gauguin, Max Ernst, Heinrich Campendonk, Max Pechstein, Henry Matisse, Albrecht Dürer, Sandro Botticelli und Rembrandt, gefälscht hatte und durch seine Frau Helene verkaufen ließ. Die Bilder waren so gut, dass er heute als Genie gehandelt wird. Nun eröffnete er seine erste Ausstellung „Freiheit“ in der Münchner Galerie art room9.

Nachdem er 36 Jahre lang alte Werke perfekt kopiert hatte, werden nun erstmals 24 seiner eigenen Werke ausgestellt. Bereits vor der Ausstellungseröffnung seien zahlreiche Kaufanfragen beim Galeristen eingegangen. Der ehemalige Kunstfälscher sei nun gefragt in der Kunstszene, so sein Galerist Curtis Briggs. Der teuerste Beltracchi koste 78.000 Euro. Bereits vor der ersten Vernissage wurde „Le Pont de Chatou“ für 39.900 Euro verkauft. In der Zwischenzeit sind bereits vierzehn der 25 Bilder veräußert.

Kritiker meinen, er kopiere noch immer. Beltracchi selbst erklärt, er hasse die Langeweile, Monotonie und Berechenbarkeit. „Es macht einfach keinen Spaß immer dasselbe zu malen“, so der Künstler. Deshalb sehe jedes seiner Bilder aus, wie von einer anderen Hand gemalt: Selbst die Unterschrift passt Beltracchi dem jeweiligen Stil an, malt mal mit links und mal mit rechts. In den Werken durchmischt er die Stile jener Künstler, der er zuvor jahrelang fälschte.

Beltracchi fälschte durch alle Stile hindurch: Blauer Reiter, Kubismus, Impressionismus, klassische Moderne, Renaissance. „Ich denke, es ist ein genetischer Defekt“, scherzte der Kunstfälscher über seine Vielseitigkeit. „Es ist einfach eine Hochbegabung. Hochbegabt und hochkriminell. Und das ist dann zusammen gekommen. Jetzt haben wir das nicht mehr mit dem hochkriminell. Jetzt bleibt nur noch die Begabung.“

So ähnelt etwa sein Bild „Tanz auf der Treppe“ einem Bild von Fernand Léger, in dem sich Figuren Oskar Schlemmers verlaufen haben. Die „Rauhnächte“ sind hingegen Max Ernst entlehnt und ein Beuysscher Hase zugefügt. Dem Vorwurf, er würde auch heute noch nur kopieren, entgegnet er: „Ich habe meine Strafe verbüßt. Wer jetzt kritisiert, will Rache. Oder es ist Neid.“ Seinen eigenen Stil zu finden, sei für ihn kein Ziel. „Meine Handschrift ist nicht nur meine Handschrift, sondern die Handschrift all der Maler, mit denen ich mich beschäftigt habe. Ich würde mich zu Tode langweilen, wenn ich jetzt immer wieder das Gleiche machen sollte.“

An den Rummel um seine Person müsse er sich noch etwas gewöhnen. „Es hat mir große Freude gemacht, im Hintergrund zu bleiben. Reich und Ruhe, das ist ganz toll. Jetzt, so fast arm und keine Ruhe, das ist nicht so gut“, sagte er. Er und seine Frau müssen bis 2017 insgesamt zwanzig Millionen Euro an ihre Gläubiger zurückzahlen. Noch heute ist unklar, wo sich circa 250 seiner dreihundert Fälschungen befinden.

Um zu erklären, woher sie die zu veräußernden Bilder hatten, schufen er und seine Frau die Mär von einer Sammlung aus Familienbesitz. Seine Werke waren so gut, dass selbst Experten sie für echte originale Meisterwerke hielten. So habe etwa die Witwe von Max Ernst gesagt, Beltracchi habe den schönsten Forêt gemalt, den ihr Mann je geschaffen hat. „Ich habe den Leim für die Sammlungsaufkleber selbst gemacht, aus Knochen, alles organisch, damit die Experten nichts merken.“ Erst als er aus „eigener Faulheit“ für ein Werk von Campendonk Titanweiß, dass es damals noch nicht gab, nutzte, fiel sein Schwindel auf. „Ich fand es immer aufregend, in einem großen Museum, auch im MoMa, eine Arbeit von mir zu sehen“, erklärte Beltracchi.

Einem britischen Journalist habe er einmal versprochen: „Ja, ich würde ganz sicher nie wieder Titanweiß verwenden.“ Nach einer Pause habe er lachend hinzugefügt: „Das ist ein Scherz.“

Letzte Änderung am Montag, 11 Mai 2015 16:49
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