bayern-depesche.de

Freigegeben in Regional

Große Sorgen vor Kostensteigerungen und jahrelangen Bauarbeiten

Direkte Demokratie: Traunsteiner votieren gegen Landesgartenschau in ihrer Stadt

Montag, 11 April 2016 21:57
Wappen der Stadt Traunstein Wappen der Stadt Traunstein

Traunstein - Im Jahr 2022 wird doch keine Landesgartenschau in Traunstein stattfinden. Am Sonntag votierten beim ersten Bürgerentscheid in der Geschichte der bayerischen Gartenschauen 63,3 Prozent der Traunsteiner für das Anliegen des Aktionsbündnisses gegen die Landesgartenschau unter der Losung „Stop LGS Traunstein“.

Für das vom Traunsteiner Stadtrat zugunsten der Blumenschau initiierte Ratsbegehren sprachen sich nur 45,7 Prozent der etwa 15.900 Stimmberechtigten aus; 54,3 Prozent stimmten gegen die Initiative, die massiv von Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) unterstützt wurde. Die Wahlbeteiligung lag bei 51,6 Prozent.

Die Befürworter argumentierten, dass die Landesgartenschau im Jahr 2022 den Bekanntheitsgrad Traunsteins erhöhen, den Tourismus fördern und durch neue Grünflächen die Lebensqualität der Stadt verbessern werde. Christian Klotz, Geschäftsführer der Landesgartenschau Traunstein 2022 GmbH, stieß ins gleiche Horn: „Wir haben in Traunstein knapp 20.000 Einwohner. Wir haben die Situation, dass wir zwischen Zentren liegen wie Rosenheim und Salzburg. Das bedeutet, Traunstein muss sich in Zukunft entwickeln. Und auf dieser Basis ist die Landesgartenschau ein unglaublicher Impulsgeber für Traunstein und die gesamte Region.“

Die Kritiker der Gartenschau führten eine finanzielle Überforderung der Stadt durch das etwa 26 Millionen Euro teure Gartenbauprojekt und jahrelange Bauarbeiten ins Feld. Helga Mandl vom siegreichen Aktionsbündnis hatte noch kurz vor der Abstimmung erklärt: „Auch in Traunstein kann jeder Euro nur einmal ausgegeben werden. Jeder Cent für LGS fehlt an anderer Stelle. Stellt sich die Frage: was ist uns Traunsteiner die LGS wert? Sicher, einige wenige werden von dem Grossereignis profitieren. Die Schulden jedoch zahlen alle. Und sollte der Schuldenberg zu groß werden, wird die Stadt nicht um die Erhöhung von Gebühren und Hebesätzen herumkommen. Fazit: für eine Kleinstadt wie Traunstein ist das einseitige Risiko einfach zu groß, also Finger weg!“

Das Abstimmungsergebnis ist eine herbe Niederlage für Oberbürgermeister Christian Kegel, der eingestehen musste: „Das ist eine riesige Enttäuschung für mich als Oberbürgermeister und für viele Traunsteiner. Wir werden nun die städtische Gesellschaft für die Landesgartenschau 2022 auflösen und keine Landesgartenschau durchführen.“

Verträge mit der Fördergesellschaft wurden von der Stadt aber schon unterschrieben. Welche finanziellen Forderungen deshalb auf Traunstein zukommen, ließ Kegel offen.

Die nächste Landesgartenschau findet vom 22. April bis zum 9. Oktober in Bayreuth statt.

Artikel bewerten
(38 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten