bayern-depesche.de

Freigegeben in Regional

CSU-Abgeordneter und BRK-Kreisverband knicken ein

Dachauer Tafel verteilt nun doch Essen an Asylanten

Montag, 26 Oktober 2015 22:12
Dachauer Tafel Dachauer Tafel Quelle: dachauer-tafel.brk.de

Dachau - Als unlängst ein alter Beschluss der Dachauer Tafel bekannt wurde, nicht-anerkannte Asylbewerber von der Lebensmittel-Verteilung auszuschließen, brach ein medial inszenierter Sturm der Entrüstung über dem Kreisverband Dachau des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) herein. Das BRK ist Träger der Dachauer Tafel, die wie andere Tafeln eigenständig entscheiden kann, wen sie als bedürftig ansieht und wem sie einen Berechtigungsschein für Lebensmittel verweigert.

Die Leiterin der Dachauer Tafel, Edda Drittenpreis, wies gegenüber der Presse auf die hohen Ansprüche der Asylanten und die schlechten Erfahrungen mit ihnen hin. Es sei mehrfach vorgekommen, dass sie Lebensmittel nach der Ausgabe auf die Straße oder in den Müll geworfen hätten, wird sie zitiert. Der CSU-Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath verteidigte in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des BRK-Kreisverbandes Dachau anfänglich die Entscheidung der Tafel, keine Lebensmittel an nicht-anerkannte Asylbewerber auszuhändigen. Seine Begründung: Asylbewerber sollten lernen, sich das vom deutschen Staat erhaltene Geld richtig einzuteilen. Dieser Lerneffekt würde jedoch ausbleiben, „wenn sie für einen Euro bei der Tafel so viele Lebensmittel bekommen, wie sie wollen“, so Seidenath.

Auch der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes stellte sich hinter den Beschluss der Dachauer Tafel und warnte vor einer Benachteiligung einheimischer Bedürftiger. „Ich kann die Argumente nachvollziehen“, sagte BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk und warnte: „Wir bekommen massive Probleme, weil die Einheimischen sich benachteiligt fühlen.“ Das Rote Kreuz sei schließlich auch für die Bevölkerung zuständig, die „schon vorher da war“.

Der Bundesverband Deutsche Tafel e.V. ließ sich jedoch sofort vor den Karren der Medien spannen und übte geharnischte Kritik an den Verantwortlichen der Dachauer Tafel an. Der Bundesverbandsvorsitzende Jochen Brühl erklärte: „Die Ausgrenzung bestimmter Gruppen ist mit der Tafel-Idee schlichtweg nicht vereinbar und ein Verstoß gegen die Grundsätze des Bundesverbands. Panikmache und Polemik dürfen das gesellschaftliche Klima in Deutschland nicht vergiften.“

Obwohl der Kreisverband Dachau des Bayerischen Roten Kreuzes auf seiner Webseite noch vor zwei Wochen von einer „Hetzkampagne“ gegen die Dachauer Tafel sprach, hat der BRK-Kreisvorstand dieser Tage in einer Krisensitzung dem Druck nachgegeben und gelobt, nun auch an nicht-anerkannte „Flüchtlinge“ Lebensmittel abzugeben.

Auf der Webseite des BRK Dachau ist jetzt zu lesen: „Die Vorstandsmitglieder – neben dem BRK-Kreisvorsitzenden Bernhard Seidenath gehören dazu unter anderem auch MdL Martin Güll, Bezirkstagspräsident Josef Mederer, Oberbürgermeister Florian Hartmann, Landrat Stefan Löwl sowie Alt-Landrat Hansjörg Christmann – einigten sich über Möglichkeiten, neben den bisherigen 1.200 Bedürftigen zusätzlich auch die immer größer werdende Zahl von Asylbewerbern mit Lebensmitteln zu versorgen. Alle Möglichkeiten sollen geprüft werden, wie das BRK Dachau die Essensversorgung von Asylbewerbern unterstützen kann.“ Weihevoll wird weiter erklärt: „Die weltweite Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung basiert auf den sieben humanitären Grundsätzen Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität. Diesen unterwerfen sich ausnahmslos alle Aktiven, auch im BRK-Kreisverband Dachau und auch bei der Dachauer Tafel.  Es wird niemand ausgegrenzt.“

CSU-Mann Bernhard Seidenath will von seiner noch vor zwei Wochen angemahnten Sparsamkeitserziehung von Asylanten nichts mehr wissen und verspricht, man werde „in der nächsten Zeit den Dialog mit allen Asylhelferkreisen in Stadt und Landkreis Dachau suchen, um den Bedarf festzustellen“. Seidenath weiter: „Dabei werden wir sämtliche Möglichkeiten prüfen, wie wir die Essensversorgung von Asylbewerberinnen und -bewerbern unterstützen können, möglicherweise durch die Erschließung eines zweiten Ausgabeortes in einer Landkreisgemeinde.“

Letzte Änderung am Dienstag, 27 Oktober 2015 13:17
Artikel bewerten
(18 Stimmen)
Bitte anmelden, um einen Kommentar zu posten