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Dialektpflege ist Heimatpflege

Broschüre soll Schülern bayerische Dialekte näherbringen

Freitag, 04 September 2015 20:12
Bayerisches Brauchtum, auch im Berchtesgadener Land Bayerisches Brauchtum, auch im Berchtesgadener Land Quelle: BAYERN DEPESCHE

München - 1999 hatte im oberbayerischen Otterfing eine Grundschullehrerin einem Neunjährigen in sein Zeugnis geschrieben: „ ... hat Probleme, sich auszudrücken, weil er zu Hause nur Bayerisch redet“. Der Mutter wurde von der Lehrerin ernsthaft nahegelegt, den Jungen vom nur Bayerisch sprechenden Vater fernzuhalten, was der sich aber nicht gefallen ließ. Wie Hermann Ruch vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) erzählt, war dies Anlass für verschiedene Fernsehsendungen zum Thema Dialekte und Inspiration für die schulische Handreichung „Dialekte in Bayern“. Sie wurde im Jahr 2006 zum ersten Mal aufgelegt und liegt nun in einer aktualisierten zweiten Auflage vor.

Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich (CSU) sagt: „Unsere bayerischen Mundarten sind sehr lebendig. Wir haben festgestellt, dass viele Menschen, Verbände und Vereine sich beim Thema Dialektpflege noch stärker einbringen wollen.“ Die neue Fassung der Schul-Handreichung enthalte neue Projektideen und räume der Dialektdichtung mehr Platz ein, so Eisenreich.

Wie in der ersten Auflage ist eine dialekt-bezogene Sendereihe des Bayerischen Rundfunks enthalten. Die Handreichung klärt über Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch sowie über das Verhältnis „Schule - Dialekt“ auf, und Lehrer aus den verschiedenen Sprachregionen des Freistaates entwerfen Unterrichtseinheiten, erklärt Hermann Ruch vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung.

Linke Bildungsreformer machten sich lange über die Dialektpflege in verschiedenen Teilen Deutschlands lustig und hielten die Dialektsprache für ein schulisches Ärgernis. Bildungsstaatssekretär Georg Eisenreich hält dem entgegen: „Die moderne Forschung bestätigt: Der Dialekt bereichert den Menschen. Er fördert auch die allgemeine Sprachkompetenz.“ Das Kultusministerium wolle die Schüler deshalb ermutigen, ihre Mundart zu pflegen. „Wir wollen bei den Schülerinnen und Schülern eine positive Haltung zu ihren sprachlichen Wurzeln fördern. In einer globalisierten, digital vernetzten Welt ist ein festes Fundament wichtig. Heimat gibt Identität und Halt“, so Eisenreich. Was 1999 der Junge aus Otterfing erlebte, soll heutigen Schülern in Bayern erspart bleiben.

Die Druckausgabe der Handreichung kann kostenlos über das Broschüren-Portal der Bayerischen Staatsregierung (www.bestellen.bayern.de, Telefon 089/12 22 20) bestellt werden. Eine Onlineausgabe wird auf der Internetseite des Staatsinstituts für Schulqualität und Bildungsforschung unter dem Stichwort „Dialekte in Bayern“ (www.isb.bayern.de) angeboten.

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