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Asylbewerberheim zur Vertuschung von bau- und brandschutzrechtlichen Mängeln angezündet

Baufirma täuscht aus finanziellem Eigeninteresse rechtsradikalen Anschlag auf Asylheim vor

Montag, 27 Juni 2016 18:56

Vorra - Als im Dezember 2014 das frisch renovierte Asylbewerberheim im mittelfränkischen Vorra angezündet und mit Hakenkreuzen sowie einer ausländerfeindlichen Losung besprüht wurde, stand für Politik und Medien der Täterkreis sofort fest. Am letzten Donnerstag wurden aber nicht rechtsmotivierte Täter wegen der Brandstiftung festgenommen, sondern der Chef einer Baufirma und einer seiner Mitarbeiter.

Nach Angaben der Nürnberger Polizei hatte die Tat keinen fremdenfeindlichen Hintergrund, sondern sei aus „wirtschaftlichen Erwägungen“ heraus erfolgt. Am Freitag gaben die Ermittler bekannt, dass das Asylbewerberheim zur Vertuschung von bau- und brandschutzrechtlichen Mängeln angezündet wurde. Der Pfusch sei bei einer Begehung des Hauses Ende November 2014 festgestellt worden und hätte von der verantwortlichen Baufirma auf eigene Kosten beseitigt werden müssen.

Schon im Januar 2015 sollten die ersten Asylbewerber einziehen. Das zuständige Landratsamt setzte dem Bauunternehmen deshalb eine Frist bis Mitte Dezember 2014, um alle Mängel zu beseitigen. Nach Berechnungen der Sonderkommission „Vorra“ wären in kurzer Zeit Nachbesserungen in Höhe von mehreren 100.000 Euro nötig gewesen. Norbert Ditzel, stellvertretender Leiter der Sonderkommission, erläuterte: „Durch die Nachbesserungen am Brandschutz wäre die Firma wohl ruiniert gewesen.“ 

In der Nacht zum 12. Dezember 2014 steckten die Täter den umgebauten Gasthof mit Scheune sowie ein renoviertes Wohnhaus in Brand und sprühten Hakenkreuze und eine ausländerfeindliche Parole auf ein Nebengebäude, um ein politisches Motiv vorzutäuschen und damit eine falsche Fährte zu legen.

Dringend tatverdächtig sind der 50 Jahre alte Firmenchef und ein 42 Jahre alter Mitarbeiter. Sie sitzen nun wegen vorsätzlicher Brandstiftung, Sachbeschädigung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Untersuchungshaft.

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