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Statt „Augenblicksversagen“ wird schwere Pflichtverletzung angenommen

Bad Aibling: Fahrdienstleiter soll durch Handy-Spiel abgelenkt gewesen sein und sitzt jetzt in U-Haft

Mittwoch, 13 April 2016 18:22

Bad Aibling - Zwei Monate nach dem schweren Zugunglück in Bad Aibling ist der verantwortliche Fahrdienstleiter in Untersuchungshaft genommen worden. Laut der Staatsanwaltschaft Traunstein soll der Mann unmittelbar vor dem Frontalzusammenstoß zweier Regionalzüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim mit 11 Toten und 85 Verletzten durch ein Online-Spiel auf seinem Handy abgelenkt gewesen sein.

Für die Ermittler gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Handy-Spiel des Fahrdienstleiters und dem Grund des Zusammenstoßes am 9. Februar. Das Amtsgericht Rosenheim hatte für den 39-Jährigen deshalb Untersuchungshaft wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr angeordnet.

Ende März teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit, dass das Zugunglück auf einen zweifachen Fehler des Fahrdienstleiters zurückzuführen sei. Zuerst habe dieser die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig freigegeben und dann einen fehlgeleiteten Notruf abgesendet.

Bisher gingen die Ermittler von einem „Augenblicksversagen“ aus; jetzt werfen sie dem Fahrdienstleiter eine schwere Pflichtverletzung vor. Das Spielen mit dem Mobiltelefon sei ursächlich dafür, dass er den Zügen die falschen Signale gab und bei der Absendung des Warnfunkspruches auch noch die falsche Tastenkombination drückte. Der Fahrdienstleiter räumte ein, mit dem Handy gespielt zu haben, bestritt aber eine Ablenkung.

Bayerns Innenminister rief dazu auf, nun die genauen Ermittlungen abzuwarten, und stellte fest, dass menschliches Versagen und kein technisches Defizit für die Katastrophe von Bad Aibling verantwortlich sei. „Für mich ist zunächst wichtig gewesen, dass klar im Raum steht, es gibt keine technischen Defizite an den beteiligten Zügen, es gibt keine technischen Defizite an der Ausstattung entlang der Strecke“, sagte Herrmann.

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