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Offenbar aus Unzufriedenheit mit Verpflegung und Unterbringung

Asylanten versuchten Karlsfelder Traglufthalle anzuzünden

Mittwoch, 25 November 2015 18:15
Wohngebiet in Karlsfeld Wohngebiet in Karlsfeld Quelle: de.wikipedia.org | Wzwz | Gemeinfrei

Karlsfeld - In der Karlsfelder Traglufthalle, die der Landkreis Dachau zur Unterbringung von Asylbewerbern betreibt, ist es am Freitag zu Ausschreitungen und einer versuchten Brandstiftung gekommen. Die Polizei brauchte mehrere Streifenbesatzungen, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Auch der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU) verfolgte die Geschehnisse vor Ort.

Anlässe der Tumulte waren nach jetzigem Kenntnisstand ein Diebstahl und Fotoaufnahmen, die ein Asylant von einem anderen gegen dessen Willen gemacht hatte. Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landratsamtes, meinte dazu: „Den Ausschlag gaben am Anfang mehrere, eigentlich alltägliche Anlässe für kleine Auseinandersetzungen.“ Der Streit unter den unmittelbar Beteiligten eskalierte aber und führte zu Solidarisierungsaktionen unterschiedlicher Asylantengruppen.

Schnell richtete sich der Zorn der Hallenbewohner dann gegen die Security-Mitarbeiter, die die Lage innerhalb und außerhalb der Traglufthalle 24 Stunden lang überwachen. Ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes wurde durch einen Schlag ins Gesicht und ein anderer durch einen Flaschenwurf verletzt. Die Polizei ermittelt in beiden Fällen gegen Asylbewerber wegen Körperverletzung. Landrat Stefan Löwl verurteilte die Angriffe auf das Sicherheitspersonal und forderte eine schnelle Strafverfolgung. Ob es dazu kommt, ist indes fraglich: Zwar ist der Asylbewerber bekannt, der dem Wachmann einen Fausthieb ins Gesicht verpasste, aber der Flaschenwerfer ist immer noch unbekannt. Laut Polizei ist eine Täteridentifizierung sehr unwahrscheinlich.

Außerdem versuchten während der Tumulte mehrere Asylbewerber, die Hallenwand mit Feuerzeugen in Brand zu setzen. Nur weil die Wände aus besonders schwer entflammbarem Material sind, fing die Halle, in der gegenwärtig etwa 280 Männer einquartiert sind, kein Feuer. Im Falle einer geglückten Brandstiftung hätte die Halle auch in sich zusammenfallen können, wenn der Innendruck wegen beschädigter Stellen in der Außenhaut rapide abgefallen wäre. Laut Landratsamtssprecher Wolfgang Reichelt hätte es dann zu einer gefährlichen Massenpanik kommen können.

Reichelt sieht den tieferen Grund der Gewaltexplosion in der Unzufriedenheit der Asylanten mit dem Essen und der Art unter Unterkunft. Dutzende Asylanten hatten Ende letzter Woche die Essensaufnahme verweigert und einen Hungerstreik angekündigt. Sie wollten damit auch gegen die Unterbringungsbedingungen in der Traglufthalle protestieren. Die Anspruchshaltung unter den Asylanten ist groß, seitdem sich in Karlsfeld herumgesprochen hat, dass es in anderen Unterkünften des Landkreises Dachau komfortable Zwei-Bett-Zimmer gibt.

Anstatt die Ansprüche der offensichtlich auch wirtschaftlich motivierten Flüchtlinge zurückzuweisen, will sich Löwl mit ihnen treffen und sich ihre Forderungen anhören. Landkreissprecher Reichelt meint, viele Forderungen seien berechtigt: „Aber nicht alle sind erfüllbar. Wir können nicht jedem ein Einzelzimmer bieten.“

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