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Schon drei Bergkreuze von Unbekannten mit Äxten schwer beschädigt

„Symbol des christlichen Europas“: Identitäre Bewegung stellt Gipfelkreuz am Schafreiter auf

Mittwoch, 07 September 2016 18:46
„Symbol des christlichen Europas“: Identitäre Bewegung stellt Gipfelkreuz am Schafreiter auf Quelle: Screenshot - Facebook

Bad Tölz - Die von Medien als „neurechts“ etikettierte Identitäre Bewegung macht regelmäßig mit spektakulären Aktionen auf sich aufmerksam, die man hierzulande bislang nur von linken Gruppen kannte. Gleichen sich auch manche Aktionsformen, so sind die Inhalte doch grundverschieden. Die jugendaffine Bewegung tritt nach eigenem Bekunden für die Freiheit, Kultur und Identität der europäischen Völker ein und wendet sich gegen die „multikulturelle Utopie“ mit „zügelloser Einwanderung“ und „voranschreitender Islamisierung“.

Um diese Botschaft in die Bevölkerung zu tragen, besetzten sogenannte Aktivisten am 27. August das Brandenburger Tor in Berlin und entrollten unter den neugierigen Blicken vieler Passanten ein Großtransparent mit der Losung „Sichere Grenzen – Sichere Zukunft“. Das Medienecho auf die gewaltfreie Protestaktion war gewaltig.

Jetzt zogen die Identitären in Bayern nach und stellten am Schafreiter (auch Schafreuter) im Karwendelgebirge ein neues hölzernes Gipfelkreuz auf. Schon dreimal waren in diesem Sommer traditionsreiche Bergkreuze von Unbekannten mit Axthieben schwer beschädigt oder umgeschlagen worden, zuletzt auf dem Schafreiter.

Am letzten Sonntag stiegen mehrere Anhänger der Identitären Bewegung auf den 2.102 Meter hohen Berg und richteten dort feierlich ein Ersatzkreuz als „Symbol des christlichen Europas“ auf.

Auch für diese alpinistische Aktion lieferte man eine programmatische Erklärung. „In unruhigen Zeiten, in denen das alte Europa bereits mehrfach angegriffen wurde, sind Taten wie diese jedoch mehr als nur ein Symbol. Das Gipfelkreuz in den Bergen ist Teil unserer Tradition“, heißt es auf der Facebook-Seite der bayerischen Landesgruppe. „Wir fordern Respekt für unsere christlichen Werte und bayerischen Traditionen! Da wir den Gipfel nicht bis zum Errichten eines passenden Kreuzes nackt lassen wollten, packten wir kurzentschlossen selbst an.“

Verfassungsschutzämter vieler Bundesländer sehen die medienträchtigen und jugendgerechten Aktionen der Identitären mit großer Sorge. Der bayerische Ableger der Bewegung betont auf seiner Facebook-Seite aber: „Unsere Aktionen sind friedlich und nicht gegen die bestehende verfassungsmäßige Ordnung gerichtet. Wir streiten für eine friedliche geistige Wende.“

Der Deutsche Alpenverein hat das neue Kreuz schon in Augenschein genommen und festgestellt, dass dieses keine Inschriften oder politischen Botschaften enthält. Thomas Bucher vom Alpenverein sagte trotzdem, dass das Kreuz ausgetauscht werde, weil es für die Befestigung zu dünn sei und bei starkem Wind umfallen könne.

Die Identitären ficht das nicht an, werten sie die große Resonanz ihrer Aktion in den sozialen Medien und der „Süddeutschen Zeitung“ doch als Erfolg. Außerdem hätten ihnen vor Ort auch Wanderer Sympathie und Anerkennung entgegengebracht. Der zunächst argwöhnischen Beobachtung durch die Bergbauern sei nach getaner Arbeit sogar eine „Einladung zu Hochprozentigem und zur kommenden Bergmesse“ gefolgt.

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