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Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen kritisieren Berufung Gerd Köglers

„Schule ohne Rassismus“ hat bald einen AfD-Funktionär als Rektor

Freitag, 24 Februar 2017 23:39

Oberkotzau - Die Grund- und Mittelschule in Oberkotzau bekommt nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ mit Gerd Kögler ein AfD-Mitglied als neuen Rektor. So weit, so unspektakulär. Pikant ist die Berufung des AfD-Funktionärs durch die oberfränkische Bezirksregierung nur deshalb, weil es sich um eine „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ handelt.

Diesem größten Schulnetzwerk Deutschlands gehören über 2.000 Schulen an, die nach Eigenangaben im letzten Jahr von etwa einer Million Schülerinnen und Schülern besucht wurden. „Schulen ohne Rassismus“ verpflichten ihre Lehrer und Schüler dazu, sich gegen tatsächliche oder auch nur eingebildete Diskriminierung von Menschen aufgrund von Glauben, Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung zu engagieren. 

Die Grund- und Mittelschule Oberkotzau wirbt offensiv mit diesem Titel und einem Antirassismus-Arbeitskreis, dessen Besuch Schülern aller Jahrgangsstufen nahegelegt wird. Voll und ganz hinter dem Programm seiner „Schule ohne Rassismus“ steht natürlich Rektor Siegfried Müller, der zum Ende dieses Jahres ausscheidet. Sein Nachfolger wird mit Gerd Kögler ein Mitglied des AfD-Kreisverbandes Hochfranken, das früher einmal der SPD angehörte. 

Die für die Schulleiter-Auswahl zuständige Regierung von Oberfranken verweist darauf, dass die Schulämter im Landkreis Hof mit Kögler „bereits in Kontakt“ getreten sind. Zudem habe es ein Gespräch gegeben, in dem „insbesondere die Rechte und Pflichten beamteter Lehrkräfte im Zusammenhang mit einer politischen Tätigkeit eingehend erörtert“ worden seien. Kögler, der seit 2012 Schulleiter in Hof ist, soll sich demnächst dem Lehrerkollegium und dem Elternbeirat in Oberkotzau vorstellen. 

Die oberfränkischen Landtagsabgeordneten Klaus Adelt (SPD) und Ulrike Gote (Grüne) kritisierten die Berufung Köglers scharf. Der betonte, an der Ausrichtung als „Schule ohne Rassismus“ festhalten zu wollen: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass sich in Oberkotzau nichts ändern wird.“ Er wisse, wie „Demokratie funktioniert“ und sein Partei-Engagement von seinem Status als Beamter zu trennen sei. 

Leicht wird es für den AfD-Mann an der neuen Schule trotzdem nicht, wirbt die Bundeskoordinationsstelle der „Schulen ohne Rassismus“ auf ihrer Internetseite doch für ein neues Themenheft zum „Rechtspopulismus“. Darin heißt es in gewohnt alarmistischem Ton: „Rechtspopulistische Parteien mischen die politische Landschaft in Europa auf. Sie agitieren gegen Minderheiten, betrachten sich als strategische Partner gegen eine multikulturelle Gesellschaft. Sie fordern ein weißes, heterosexuelles Europa und versprechen ihrer Wählerschaft ein Zurück in Zeiten vermeintlicher nationaler und sozialer Sicherheit.“

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