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Kampagne schwappt von der Schweiz nach Bayern

Tierschützer wollen Kuhglocken-Tradition verbieten.

Dienstag, 25 August 2015 17:28
Kühen auf der Alm Kühen auf der Alm Quelle: PIXABAY.COM

München - Der Deutsche Tierschutzbund in Bayern fordert eine Abschaffung der Kuhglocken. Die Präsidentin des Landesverbands, Nicole Brühl, erklärt: „Rein aus Tradition einem Tier so etwas zuzumuten, ist völlig abzulehnen.“ Anstelle einer schweren und lauten Glocke könne man einer Kuh ein GPS-Band zur satellitengestützten Ortung umhängen, so die offenbar technikbegeisterte Tierschützerin.

In der bayerischen Landespolitik stößt der Vorstoß genauso auf Ablehnung wie im Allgäu, wo die Kuhglocke und der Viehscheid zum lebendigen Traditions- und Kulturgut gehören. So sieht auch der bayerische Agrarminister Helmut Brunner (CSU) keinen gesetzgeberischen Handlungsbedarf: „Ich glaube, dass die Glocken keine Beeinträchtigung für die Kühe sind – weder vom Gewicht her noch vom Ton.“ Langfristig könnten nach Brunners Auffassung auch Sensoren die Ortung der Tiere ermöglichen: „Das ist aber technisch noch nicht ausgereift und derzeit erst in der Erprobung.“ Deutlicher äußert sich der Allgäuer Abgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Freie-Wähler-Landtagsfraktion, Dr. Leopold Herz: „Die sogenannten ‚Tierschützer‘ schaden immer mehr dem Image der Landwirte. Es darf nicht sein, dass zunehmend Personen über die Landwirtschaft bestimmen, die keine Ahnung davon haben. Das bestätigt sich nun erneut bei der Kuhglocken-Diskussion. Die Glocken sind gerade in der Almwirtschaft von großer Bedeutung. Nur dadurch können Kühe auf den weitläufigen Flächen lokalisiert werden. Das ist wichtig – sowohl für die Almhirten als auch für Wanderer. Zudem entstammen Kuhglocken einer uralten Tradition, die fortführen soll, wer sie fortführen möchte.“

Auch die Tourismusgesellschaft Allgäu hält die Forderung der Tierschützer für übertrieben und gibt zu bedenken: „Vielen Wanderern im Allgäu würde etwas fehlen“. Eine Sprecherin sagte: „Die Kühe tragen die großen Glocken ohnehin nur maximal einen halben Tag beim Viehscheid. Und die kleinen Glocken tun keinem Tier weh.“

Am 23. Juli berichtete die BAYERN DEPESCHE über die selbsternannte Tierschützerin und Veganerin Nancy Holten, die in der Schweiz einen regelrechten Feldzug gegen die Kuhglocke führt. „Für Kühe sind die Glocken in etwa so laut, als wenn wir uns einen Presslufthammer ans Ohr halten würden“, behauptet die 41-Jährige. Die von vielen als Angriff auf landschaftsprägendes Kulturgut und die Arbeitsweise der Viehwirte verstandene Kampagne wiegt umso schwerer, weil die Kuhglocken-Gegnerin Nancy Holten eine zugezogene Niederländerin ist. Lucas Berger, der Initiator der Facebook-Seite „Pro Kuhglocken“, hat ihr deshalb ins Stammbuch geschrieben: „Wenn man sich entscheidet, in ein fremdes Land auszuwandern, sollte man sich vorher mit den Gegebenheiten, Traditionen und Gebräuche der zukünftigen Wahlheimat auseinandersetzen! Da gehört auch eine Anpassung an das neue Land dazu! Traditionen entstehen nie einfach ohne Grund, sondern werden von Generation zu Generation überliefert und gegebenenfalls auch angepasst…. Kuhglocken sind nicht nur eine Tradition der Schweiz, sie sind auch ein Bild der Schweiz, welches man als Tourist hier vermittelt bekommt.“

Die Schweizer Debatte hatte schon vor Wochen die bayerische Alpenregion erreicht. Wie in der Schweiz tritt auch im Allgäu eine übergroße Mehrheit für den weiteren Einsatz von Kuhglocken in der Alpwirtschaft ein. In einer Online-Umfrage der „Allgäuer Zeitung“ sprachen sich am 23. Juli mehr als 75 Prozent der etwa 3.000 Teilnehmer für die vertraute Kuhglocke in der heimischen Landwirtschaft aus.

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