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Der Bodenständige

Stephan Protschka (AfD) setzt sich für landwirtschaftliche Familienbetriebe ein

Freitag, 12 Juni 2020 22:21
Der Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka ist agrarpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Der Bundestagsabgeordnete Stephan Protschka ist agrarpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Quelle: Stephan Protschka

Berlin – Stephan Protschka gehört ganz sicher nicht zu dem Personal des politischen Betriebs, für das sich abfällig die Redensart „Kreißsaal, Hörsaal, Plenarsaal“ eingebürgert hat. Gemeint sind damit Politiker, die sich in den Jugendorganisationen der etablierten Parteien hochgedient haben und Berufspolitiker geworden sind, ohne jemals im „wirklichen Leben“ Geld verdient zu haben. Der AfD-Bundestagsabgeordnete kann hingegen auf ausreichend Lebenserfahrung außerhalb der Politik zurückgreifen. Am 8. November 1977 in Dingolfing geboren, machte er zunächst eine Lehre als Elektroinstallateur. Danach leistete der Niederbayer seinen Wehrdienst ab und begann im Vertriebssektor zu arbeiten. In einem italienischen Unternehmen wurde er Vertriebsleiter für den deutschen Markt und machte sich später selbstständig.

In der Zeit von 1993 bis 2010 war er Mitglied der Jungen Union und damit der Nachwuchsorganisation der CSU. Aus Protest gegen die Eurorettungspolitik der Bundesregierung kehrte der überzeugte Konservative der Union den Rücken und schloss sich 2013 der eurokritischen AfD an. Nach der Bundestagswahl 2017 zog der verheiratete Vater zweier Kinderüber die bayerische Landesliste seiner Partei in den Deutschen Bundestag ein.

Stephan Protschka ist dort für seine Fraktion Mitglied und Obmann im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, der ein breiteres Aufgabengebiet abdeckt, als man landläufig meint. So geht es um die Schaffung fairer Rahmenbedingungen für die heimischen Landwirtschaftsbetriebe, die Gewährleistung hochwertiger Lebensmittel, die Förderung einer gesunden Ernährung, die Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung und die Zukunftssicherung der Forst- und Fischereiwirtschaft sowie des Weinbaus. Zudem ist er stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Die gedeihliche Entwicklung des ländlichen Raumes hat sich der 42-Jährige besonders auf die Fahne geschrieben.

In einer Kleinen Anfrage wollte die AfD-Fraktion jüngst von der Bundesregierung erfahren, wie wirkungsvoll denn die kostenintensiven Werbekampagnen „Dorfkinder“ und „Du entscheidest“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) waren. Die dürftigen Antworten kommentierte natürlich der agrarpolitische Sprecher der Fraktion. Mit Bezug auf die „Dorfkinder“-Kampagne sagte Protschka: „In Wahrheit handelte es sich um eine reine Imagewerbung für die Bundesregierung. Mit Sprüchen versehene bunte Bildchen zeigten eine heile Welt auf dem Land. Doch die meisten Bürger durchschauten diese billigen Werbeversprechen und wiesen die Bundesregierung zu Recht auf die jahrzehntelangen Versäumnisse der Altparteien im ländlichen Raum hin. Den Steuerzahler hat das alles übrigens 1,2 Millionen Euro gekostet.“

Um über den aktuellen Stand der Tierversuche informiert zu werden und dem Tierschutz mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, reichte die AfD-Fraktion bei der Regierung eine Große Anfrage ein. „Für die AfD ist der Tierschutz eine Herzensangelegenheit. Deshalb setzen wir uns für eine konsequente Umsetzung der Tierschutzgesetze ein“, unterstrich Protschka. Der Politiker, der sein Wahlkreisbüro in Eggenfelden unterhält, sagte mit Blick auf die Antworten zur Großen Anfrage: „Obwohl Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert ist, behandelt die Bundesregierung das Thema Tierversuche in Deutschland leider stiefmütterlich. Skandale, wie zuletzt in den Laboren einer Firma in Niedersachsen und Hamburg, in denen Tiere sich bei sogenannten Giftigkeitstests zu Tode gequält haben, müssen endlich der Vergangenheit angehören.“ Deutschland brauche eine zielorientierte Strategie, um die Anzahl der Tierversuche zu minimieren und auf effektive Alternativen umsteigen zu können.

Trotz seines großes Einsatzes für eine vernunftgeleitete Landwirtschafts- und Ernährungspolitik will der Niederbayer nicht auf seine Rolle als Fachpolitiker reduziert werden. Gerade in den sozialen Medien äußert er sich immer wieder zu politischen Grundsatzfragen. Dass er sich dabei als Patriot versteht und die Interessen seines Landes in den Vordergrund stellt, versucht er gar nicht erst zu verbergen. So lautet das Motto seiner eigenen Internetseite selbstbewusst „Protschka für Deutschland“.

Der Beisitzer im AfD-Bundesvorstand setzt sich auch für den Verein „Vertriebene, Aussiedler und deutsche Minderheiten in der AfD“ (VAdM) ein. Im Jahr 2018 berichtete er vom traditionsreichen Sudetendeutschen Tag, bei dem sich die ehemaligen deutschsprachigen Einwohner des Sudetenlandes mit zahlreichen Kulturständen präsentierten. „Sudetendeutsche“ ist seit dem 20. Jahrhundert die Sammelbezeichnung für die rund drei Millionen Deutschen in der früheren Tschechoslowakei, die nach dem Zweiten Weltkrieg gewaltsam aus ihrer Heimat vertrieben wurden und vielfach in Bayern ein neues Zuhause fanden. Der Freistaat übernahm offiziell die Schirmherrschaft für die leidgeprüfte Volksgruppe. Deshalb gelten die Sudetendeutschen nach den Altbayern, Franken und Schwaben als der vierte Stamm Bayerns. Protschka beklagte vor zwei Jahren den Ausschluss der AfD vom Sudetendeutschen Tag, während sich die CSU, die SPD und die Freien Wähler mit Informationsständen präsentieren konnten. Als paar Sudetendeutsche mit AfD-Hintergrund auf dem Veranstaltungsgelände Flugblätter verteilten, sei dies mit Verweis auf das Hausrecht sofort unterbunden worden. Das kann kaum überraschen: Ausrichter der Zusammenkunft ist die Sudetendeutsche Landsmannschaft, deren Bundesvorsitzender wiederum der CSU-Politiker Bernd Posselt ist. Protschka zog ein bitteres Fazit: „Die CSU hat die Sudetendeutschen erfolgreich zu einem Spartenverein mutieren lassen, der sich nun auf der Ebene türkischer Kulturvereine findet. Politische Forderungen und Positionen? Bei den ‚Neudeutschen‘ werden diese immer lauter, während bei den Volksdeutschen jeder Wunsch nach politischer Beteiligung verstummt. Der Witikobund, einer der wenigen, der die Einhaltung des Völkerrechts fordert und damit die Aufhebung der Benes-Dekrete, wird seit Jahren vom Sudetendeutschen Tag verbannt.“

Stephan Protschka wird sicherlich weiterhin ganz eigene politische Duftmarken setzen.

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