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CSU-Innenpolitiker: „Wir wollen kein Multikulti-Blabla in unserer Hymne“

SPD-Landtagsfraktion scheitert mit Multikulti- und Europa-Strophe in Bayernhymne

Freitag, 02 Dezember 2016 21:56

München - Aus Anlass des 70. Jahrestages der bayerischen Verfassung hat die SPD-Landtagsfraktion vorgeschlagen, die traditionsreiche Bayernhymne mit einer Multikulti- und Europa-Strophe zu „aktualisieren“.

SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher und der Frauenchor München stellten ihren Textvorschlag am Mittwoch im Landtag vor. Dort heißt es: „Gott mit uns und allen Völkern, ganz in Einheit tun wir kund: In der Vielfalt liegt die Zukunft, in Europas Staatenbund. Freie Menschen, freies Leben, gleiches Recht für Mann und Frau! Goldne Sterne, blaue Fahne und der Himmel, weiß und blau.“ Der Text ist der Siegerbeitrag eines Wettbewerbs, den die Staatsregierung mit der bayerischen Volksstiftung bereits vor vier Jahren durchführte.

„Der unselige Nationalismus ist überall in Europa auf dem Vormarsch. Da ist ein Bekenntnis Bayerns zur europäischen Zusammenarbeit wichtig und notwendig“, begründete Rinderspacher den Vorstoß seiner Fraktion. „Die neue Europa-Strophe der Bayernhymne huldigt dem Artikel 3a der bayerischen Verfassung, mit dem sich der Freistaat zu einem ‚geeinten Europa‘ bekennt.“ Mit der Zeile „In der Vielfalt liegt die Zukunft“ solle gezeigt werden, „dass wir in Europa und Bayern für Offenheit, Toleranz und Pluralismus einstehen wollen und nicht für eine bevormundende Leitkultur“.

Unter Leitkultur-Verdacht stellt der SPD-Fraktionschef offenbar auch den bisherigen Text der Bayernhymne von Michael Öchsner (1816 bis 1893):

„Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! 
Über deinen weiten Gauen ruhe Seine Segenshand! 
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau 
und erhalte dir die Farben Seines Himmels, weiß und blau!

Gott mit dir, dem Bayernvolke, dass wir uns‘rer Väter wert, 
fest in Eintracht und in Frieden bauen uns‘res Glückes Herd! 
Dass mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau 
und den alten Ruhm bewähre unser Banner, weiß und blau!“

Mit ihrem Dringlichkeitsantrag, die Hymne um den Europa-Text als dritte Strophe zu ergänzen, sind die Sozialdemokraten im Plenum des Landtages klar gescheitert. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte am Rande der Landtagssitzung: „Hymnen und Verfassungen ändert man nicht im Vorübergehen.“

Florian Herrmann, innenpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, kritisierte sowohl die Form als auch den Inhalt der SPD-Initiative: „Die Änderung einer Hymne verhandelt man nicht, indem man kurzfristig einen Dringlichkeitsantrag einbringt.“ Außerdem sagte er: „Wir wollen kein Multikulti-Blabla in unserer Hymne.“

Die CSU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Bundesvorsitzende der Jungen Union, Katrin Albsteiger, ätzte auf Facebook: „Volkserziehungspartei SPD hat es noch immer nicht kapiert und lebt weiter im Zeitalter der Symbolpolitik.“

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