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Mehrheit der Schüler und Eltern in Bayern für G9

SPD-Bildungspolitiker Martin Güll will Chancen für ein neues neunjähriges Gymnasium nutzen

Donnerstag, 21 Juli 2016 16:37
Martin Güll Martin Güll Quelle: BayernSPD Landtagsfraktion

München - Im Rahmen eines Pilotversuchs der Staatsregierung können sich Schüler an 47 bayerischen Gymnasien für eine um ein Jahr verlängerte Mittelstufe entscheiden. Mit dem Projekt „Mittelstufe Plus“ haben sie de facto die Wahlmöglichkeit zwischen einer acht- und neunjährigen Gymnasialzeit. Bisher haben sich zwei Drittel der Schüler bzw. Eltern für die längere Schulzeit entschieden.

Unter diesem Eindruck hat der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Martin Güll, die CSU-Staatsregierung zur Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) aufgefordert. Er verweist auf die hohen Anmeldezahlen für die „Mittelstufe Plus“ in den 47 bayerischen Pilotschulen und damit auf die messbare Präferenz für ein zusätzliches Schuljahr.

„Respektieren Sie die klare Mehrheit, die neun Jahre am Gymnasium will. Schwenken Sie um auf ein modernes neunjähriges Gymnasium“, forderte der Vorsitzende des Bildungsausschusses in einer Landtagsdebatte. Die Schüler, Eltern und Lehrkräfte wollten nicht weniger Bildungszeit, sondern mehr. Güll fasste zusammen: „Jetzt G9 umsetzen – keine halben Sachen mehr.“

Die SPD-Landtagsfraktion forderte in einem Dringlichkeitsantrag ein reformiertes neunjähriges Gymnasium mit einer „Überholspur“ für besonders leistungsfähige Schüler. Die „Mittelstufe Plus“ dürfe nicht flächendeckend eingeführt werden, weil sie nichts an der Belastung in der Unter- und Oberstufe ändere. Güll verlangte eine klare Grundstruktur für das Gymnasium mit 30 Pflichtwochenstunden sowie ein Angebot für Vertiefungsmöglichkeiten in der Oberstufe.

Der Bildungspolitiker bezeichnete das achtjährige Gymnasium (G8) als gescheitert. Es sei vom damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) nur aus Spargründen und nicht aufgrund von pädagogischen Erwägungen eingeführt worden. Auch drei Überarbeitungen der Lehrpläne und Stundenkürzungen hätten nicht zu einer Entlastung der Schüler geführt, so Güll.

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GMS zufolge tritt im Freistaat nicht nur eine Mehrheit der Eltern und Schüler, sondern auch der Gesamtbevölkerung für eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium ein. 59 Prozent der Befragten sprechen sich für das neunjährige Gymnasium und nur 34 Prozent für die Beibehaltung des achtjährigen Gymnasiums aus.

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