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Ladensterben in Bayern: Jede vierte Kommune ohne eigenen Lebensmittelmarkt

SPD-Abgeordneter Klaus Adelt fordert Konzept zur Sicherung der Nahversorgung

Montag, 23 Mai 2016 18:02
Klaus Adelt, SPD Klaus Adelt, SPD Quelle: bayernspd-landtag.de

München - In jeder vierten bayerischen Kommune gibt es keinen Lebensmittelmarkt mehr. Wie das bayerische Wirtschaftsministerium auf eine Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Adelt mitteilte, ist die Zahl der Läden in den letzten zehn Jahren von 6.501 auf 5.883 gesunken. Mittlerweile müssen 510 Kommunen in Bayern ohne eine wohnortnahe Versorgung mit Dingen des alltäglichen Bedarfs auskommen. 158 dieser Gemeinden haben nicht einmal mehr einen Bäcker oder Metzger. In den letzten 15 Monaten machten monatlich im Durchschnitt fünf Läden zu.

Der SPD-Abgeordnete Klaus Adelt fordert angesichts der alarmierenden Entwicklung staatliche Unterstützung für die betroffenen Kommunen: „Wenn Marktmechanismen dazu führen, dass die Nahversorgung in der Fläche gefährdet ist, muss es Aufgabe der öffentlichen Hand sein, etwas dagegen zu tun.“

Als Grund für den Rückzug aus der Fläche sieht der oberfränkische Politiker, dessen Heimatregion besonders vom Ladensterben betroffen ist, den Konzentrationsprozess im Lebensmitteleinzelhandel. Denn während die Zahl der Lebensmittelmärkte um 9,5 Prozent abgenommen hat, ist die durchschnittliche Verkaufsfläche der verbliebenen Läden um knapp 24 Prozent gestiegen.

Die Verlierer dieser Entwicklung seien die kleinen Supermärkte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 400 Quadratmeter. Das betreffe die Ortskerne im ländlichen Raum ebenso wie einzelne Viertel in Großstädten, so Adelt. Er warnt vor einem soziodemographischen Teufelskreis: „Wenn das Lebensmittelgeschäft vor Ort schließt, stirbt auch ein großes Stück an Lebensqualität. Gerade die ältere Bevölkerung ist auf eine wohnortnahe Versorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs angewiesen, und junge Familien ziehen gar nicht erst in eine Gemeinde, die keinerlei Einkaufsmöglichkeiten bietet.“

Neben Oberfranken ist die Oberpfalz am stärksten vom Supermarktsterben betroffen. Dort sank die Zahl der Geschäfte um etwa ein Fünftel. Große Unterschiede gibt es bei der Lebensmittelversorgung zwischen Stadt und Land. Während die Zahl der Geschäfte in den Großstädten in den letzten Jahren noch zunahm, musste in einigen Landkreisen rund ein Drittel der Läden aufgeben. Am stärksten vom Ladensterben betroffen sind die Landkreise Neustadt an der Waldnaab (minus 37 Prozent), Hof (minus 34 Prozent) und Bad Kissingen (minus 34 Prozent).

Eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Nahversorgung sieht Adelt deshalb in der Förderung von Dorfläden und Stadtteilgeschäften, von denen in den letzten zehn Jahren bayernweit 109 gegründet wurden. Mit einem Maßnahmenbündel will die Landtags-SPD die Rahmenbedingungen für die Gründung von Dorf- und Stadtteilläden nun verbessern.

Adelt greift die Staatsregierung direkt an: „Jede vierte bayerische Kommune hat keinen Supermarkt mehr und was macht die Staatsregierung? Sie gibt ein Handbuch zur Gründung von Dorfläden heraus. Das ist viel zu wenig.“

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