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Datenreport „Soziale Lage in Bayern 2014“

Sozialministerin Emilia Müller muss steigende Armutsrisiken einräumen

Freitag, 06 November 2015 21:58
Emilia Müller Emilia Müller Quelle: csu-landtag.de

München - Im Jahr 2013 waren rund 1,76 Millionen Menschen im Freistaat Bayern armutsgefährdet und damit etwa 40.000 mehr als im Vorjahr. Die Quote stieg von 14,1 auf 14,6 Prozent. Das geht aus dem neuesten Datenreport „Soziale Lage in Bayern 2014“ hervor, den das bayerische Sozialministerium am Mittwoch vorlegte. Die Armutsfalle droht demnach besonders den über 65-Jährigen und hier vor allem den Frauen. Die Quote stieg auf 25,1 Prozent. Noch höher ist die Armutsgefährdungsquote nur noch bei den Alleinerziehenden mit 42 Prozent. Nach behördlicher Definition gilt als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der gesamten Bevölkerung in Bayern zur Verfügung hat.

Die Zahlen zeigen übrigens, dass die Menschen in den Ballungsräumen armutsgefährdeter sind als im ländlichen Raum. Im Regierungsbezirk Schwaben ist das Verarmungsrisiko am geringsten, in Oberbayern hingegen am höchsten. Besonders gefährdet waren nach den vorliegenden Daten die Nürnberger und Augsburger.

Das Sozialministerium stellte fest, dass Bayern trotz wachsender Armutsgefährdung im deutschlandweiten Vergleich die niedrigste Quote aufweist. Gemessen am Durchschnittseinkommen in Gesamtdeutschland lag die Armutsgefährdungsquote in Bayern 2013 bei 11,3 Prozent, in Westdeutschland insgesamt bei 14,4 Prozent und in Ostdeutschland bei 19,8 Prozent.

Sozialministerin Emilia Müller (CSU) sagte dazu: „Bayerns Bürgern ist es mit ihrem Fleiß, ihrer Ausbildung und ihrer gegenseitigen Verbundenheit gelungen, sich in vielen Bereichen die besten Lebensbedingungen in Deutschland zu schaffen.“ Damit spielte sie auf die geringste Pro-Kopf-Verschuldung, die niedrigste Arbeitslosenquote und das höchste Wohlstandsniveau Bayerns im Deutschland-Vergleich an.

Warnende Worte kamen hingegen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Matthias Jena, Vorsitzender des DGB Bayern, erklärte zur Veröffentlichung des Datenreports: „Die soziale Lage in Bayern ist keineswegs so rosig, wie sie die Sozialministerin darstellt. Vor der Staatsregierung liegen riesige Herausforderungen. Schon der Blick auf die Armutsgefährdungsquoten in dem veröffentlichten Datenreport zeigt, dass Bayern mitnichten die Vorstufe zum Paradies ist.“ Innerhalb von zehn Jahren sei die Zahl der armutsgefährdeten Personen um fast 160.000 auf 14,6 Prozent gestiegen.

Auch der Anteil der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten im Niedriglohnsektor verharre bei 18 Prozent und damit auf hohem Niveau. „Hier sieht man die Verwerfungen am Arbeitsmarkt. Prekäre Beschäftigung wie Leiharbeit und Werkverträge müssen endlich entschieden zurückgedrängt werden. Hier ist auch die Bayerische Staatsregierung in der Pflicht“, so Matthias Jena. Kurskorrekturen mahnt der DGB Bayern auch bei der Rentenpolitik an, wo es massiv drohende Altersarmut zu verhindern gelte.

Letzte Änderung am Samstag, 07 November 2015 15:00
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